Laktoseintoleranz

Wenn ich nach den Zuschriften und Schilderungen Betroffener gehe, ist die zweithäufigste Nahrungsmittelunverträglichkeit bei SD-Erkrankten die sogenannte Laktoseintoleranz.

Häufig schildern die Patienten, dass sie ihren Morgenkaffee nicht mehr vertragen. Sie klagen über Übelkeit, Magenbeschwerden, Blähungen und einen vor sich hingrummenden Magen- Darm-Trakt.
Aber auch unter den Nichtkaffeetrinkern wird berichtet, dass sie ihr Frühstück nicht mehr so gut vertragen wie sonst.

Fragt man dann die genauen Nahrungsmittel ab, die beim morgendlichen Frühstück verzehrt werden, kommt der Patient schnell darauf, dass es die milchzuckerhaltigen Nahrungsmittel sind, die die Beschwerden verursachen.

Die Kaffeetrinker haben es am einfachsten, sie lassen die Milch aus dem Kaffee weg. Werden die Beschwerden dann besser, wissen sie, wer der Übeltäter war.

Oft dauert es eine lange Zeit bis der Patient dahinter kommt, was die Beschwerden verursacht.
Außerdem kommt dazu, dass sich Milchzucker = Laktose in vielen Nahrungsmitteln und Produkten versteckt, wo wir sie kaum vermuten.

Milchzucker = Laktose ist beispielsweise enthalten in:

  • allen Milchprodukten: Milch, Käse, Joghurt, Quark, Streichkäse, Butter, Sahne
  • Süßigkeiten. Besonders in allen Produkten mit weißer Schokolade, Milchcreme, Cremefüllungen, Fertigkuchen & Plätzchen.
    Einzig in Zartbitter und Edelbitter-Schokolade ist kein Milchzucker enthalten.
  • Sahnebonbons, Sahneschokoladen, Sahnetorten etc.
  • Medikamenten als Begleit- und Zusatzstoffe
  • In manchen Erfrischungsgetränken
  • Wurstprodukte – jeder Metzger hat inzwischen eine Liste der Inhaltsstoffe in seinem Laden. Fragen Sie nach!
  • sehr vielen Fertigprodukten

Sie sehen also auch bei Laktoseintoleranz gilt:
Schauen Sie bei jedem Nahrungsmittel/Produkt, das Sie in den Einkaufswagen legen nach, ob es Milchzucker = Laktose enthält.

Woher kommen die Beschwerden bei einer Laktoseintoleranz?
Ganz einfach die Laktose wird mit der Nahrung aufgenommen, kommt in den Dünndarm und sollte da eigentlich von dem Enzym Laktase aufgespalten werden.
Bei Laktoseintoleranz ist genau dieser Vorgang gestört und somit kommt die Laktose ungespalten in den Dickdarm und wird dort von den Darmbakterien vergoren. Das führt dann zu den Beschwerden, denn durch die Gärung entstehen Laktat, Methan und Wasserstoff.
Durch die Laktatentstehung im Dickdarm kommt es durch Osmose dazu, dass ein vermehrter Wassereinstrom in den Dickdarm erfolgt.
Und das hat dann wiederum zur Folge, dass der Patient Durchfall bekommt.

Die Laktoseintolzeranz wird in drei große Kategorien eingeteilt:

1) Die angeborene Laktoseintoleranz beruht auf einen genetisch bedingten Defekt bei dem das Enzym Laktase kaum oder gar nicht gebildet werden kann. Sie ist vererbbar.
Nun können Sie sich vorstellen, was das für Auswirkungen auf ein Neugeborenes haben kann.
Unbehandelt führt sie zu starken Störungen in der Wachstums- und Entwicklungsphase des Kindes und kann massivste Gehirnschäden beim Kind zur Folge haben.
Der Fachbegriff ist Alaktasie.

2) Die sekundäre = erworbene Laktoseintoleranz beruht auf Erkrankungen oder Störungen des Verdauungstraktes, bei denen die laktaseproduzierenden Zellen so geschädigt sind, das sie ihrer Aufgabe nicht nachkommen können.
Mit dieser Form haben die SD-Erkrankten sich zu plagen.

2) Die physiologische = natürliche Laktoseintoleranz beruht auf einem einfachen Gesetz von Mutter Natur: Nichts wird sinnlos hergestellt!
Das heißt schlicht und ergreifend als Baby braucht der Körper Milch und darum wird genügend Laktase produziert.
Nachdem aber allen Babys irgendwann die Milch zu wenig wird, fangen sie an, auch andere Nahrungsmittel zu essen.
Der Körper reagiert darauf und fährt die Laktaseproduktion runter. Das ist die Erklärung dafür, warum Kinder Milchzucker vertragen, Erwachsene oft nicht mehr.

Man weiß inzwischen auch, dass Erwachsenen aus dem mittel- und südostasiatischen Bereich kaum oder gar keine Milchprodukte vertragen, die Erwachsenen in den nördlichen Bereichen der Weltkugel haben hingegen bis ins hohe Alter keine Unverträglichkeit.
Grund für die Laktaseproduktion bis ins Alter soll eine Genmutation sein. Sie sehen also nicht alle Genmutationen sind schlecht. 🙂

Diese Unterscheidung zwischen angeborener und erworbener Laktoseintoleranz ist wichtig.
Denn die Personen mit der angeborenen Laktoseunverträglichkeit können nicht geheilt werden.
Die Betroffenen mit der sekundären Laktoseunverträglichkeit haben die Chance, dass sich ihre Beschwerden im Laufe der Zeit verbessern, oder sogar ganz zurückgehen.

1) Die angeborene Laktoseintoleranz

Ursachen:

  • Angeborener Laktasemangel
  • Vererbung autosoma-rezessiv

Beschwerden:

  • Schwere Wachstums – und Entwicklungsstörungen
  • Gehirnschäden
  • Magen-Darm-Beschwerden

Diagnostik:

  • H2-Atemtest
  • Genuntersuchung

Therapie:

  • Lebenslange strikte Meidung von Laktose.
    Laktaseeinnahme. Aber nur nach ärztlicher Absprache!

2) Die sekundäre Laktoseintoleranz

Ursachen:

  • Zöliakie/ Sprue = Erkrankung des Magen- Darm- Traktes
  • Bakterielle oder virale Magen-Darm-Erkrankungen
  • chronische Darmerkrankungen
  • Magenteilentfernung oder totale Gastrektomie
  • Chemotherapie und Bestrahlung – auch Radiojodtherapie bei SD-Erkrankungen
  • Mangelernährung
  • Blindsacksyndrom ,Kurzdarmsyndrom, große Duodenaldivertikel, intestinales Lymphom (siehe Wörterbuch)

Beschwerden:

  • Übelkeit bis hin zu Erbrechen
  • Blähungen
  • Durchfälle
  • Magenkrämpfe und Magenschmerzen
  • Oberbauchschmerzen
  • Reizmagen und Reizdarm
  • bei chronischer, oder sehr stark ausgeprägter Laktoseintoleranz kann es zu Störungen der Vitamin-, Mineralstoff und Spurenelement-Aufnahme führen.
  • gehäuft auftretenden Infektionen des Magen-Darm-Traktes
  • Schädigung des Dünndarms
  • Reflux = chronisches Sodbrennen
  • Muskelschmerzen
  • Erschöpfungszustände
  • Schwindel
  • Müdigkeit

Diagnostik:

  • H2- Atemtest beim Gastroenterologen
  • Diättest: dabei wird über einen Zeitraum von xy Tagen eine strikte laktosefreie Diät eingehalten.
  • Blutzuckertest: Durch die Spaltung von Laktose entsteht Galaktose und Glucose. Darum steigt der Blutzuckerspiegel bei einem Gesunden an, wenn er Laktose zu sich nimmt.
    Steigt er nicht an, so besteht der Verdacht auf Laktoseintoleranz

Aber die Blutzuckertestung und die Diättestung sind nicht so aussagekräftig wie der H2 -Atemtest, da sie störanfälliger sind.
Mit dem H2-Atemtest ist die Diagnose sicher zu stellen.

Therapie:

  • Strikte jahrelange Auslassdiät von laktosehaltigen Lebensmitteln.
  • Laktasezufuhr in Form von Tabletten, Kapseln oder Pulver aus der Apotheke.
    Dabei wird im Regelfall die Laktase 30 Minuten vor Nahrungsaufnahme von laktosehaltigen Speisen eingenommen.
    Jedoch ist es sehr schwer, die richtige Laktasemenge für die zugeführte Laktosemenge herauszufinden, so dass trotzdem oftmals Beschwerden auftreten.
  • Umsteigen auf laktosefreie Milchprodukte.
    Aber Achtung Sojamilch und Sojaprodukte sind bei SD-Erkrankungen nicht allzu sinnvoll, da Soja die SD-Hormone aus dem Blutplasma schmeißt. Es kommt jedoch darauf an in welcher Menge Sie Sojamilch zu sich nehmen.
    Bei kleinen Mengen merken Sie wahrscheinlich nichts.
  • Nach der Auslassdiät können Sie versuchen, den Körper wieder auf die Laktosespaltung zu trainieren.

Wörterbuch:

  • Blindsacksyndrom:
    Darunter versteht man die krankhafte Veränderung des Dünndarms, hervorgerufen durch eine bakterielle Übersiedlung/Fehlbesiedlung in einem der drei Dünndarmabschnitte, als Folge von großen sackähnlichen Gebilden in der Darmwand, in denen sich Darmflüssigkeit ansammelt.
  • Kurzdarmsyndrom:
    Darunter versteht man generell eine Verkürzung des Dünndarms. Meistens durch OP s verursacht, z. B. wenn bei Darmtumoren oder wegen Morbus Chron, Teile des Darms entfernt werden müssen.
  • Große Duodenaldivertikel:
    Duodenum = Der Dünndarm. Divertikel = Aussackung einer Wand eines Hohlorgans, wie z.B. Magen, oder Darm.
    Darunter versteht man eine Aussackung der Dünndarmwand
  • Intestinales Lymphom:
    Darunter versteht man gutartige/oder bösartige Tumore, die aus Lymphozyten/Lymphknoten entstehen und im Darmkanal angesiedelt sind.

Ablauf der Eingewöhnungsphase an Laktose:

Wichtig für den Betroffenen ist zu wissen, dass er mit minimalsten Mengen bei der Eingewöhnung beginnen muss.

Faustregel:

  • Sie fangen mit nur einem früher unverträglichen Nahrungsmittel an, der restliche Speiseplan bleibt laktosefrei.
    Nur so können Sie herausfinden wo Ihre momentane Belastungsgrenze liegt.
  • Sie beginnen mit einem Nahrungsmittel, das nur ganz wenig Laktose enthält.
  • Sie essen bei den ersten Versuchen maximal 5-10 Gramm von dem Nahrungsmittel.
  • Sie essen das Nahrungsmittel in dieser geringen Menge nur einmal pro Woche.
  • Treten bereits nach 30 Minuten oder am gleichen Tag Beschwerden auf, so kehren Sie sofort wieder zu Ihrer strengen Diät zurück.
    Aber lassen Sie den Mut nicht fallen und probieren Sie es einen Monat drauf wieder.
  • Treten bei der anfänglichen Menge keine Beschwerden auf, so erhöhen Sie die Frequenz der Nahrungsmittelaufnahme.
    Das heißt anstatt einmal in der Woche 5-10 Gramm, essen Sie dann 2 mal in der Woche 5-10 Gramm.
  • Vertragen Sie auch das gut, so können Sie beginnen, die Menge des Nahrungsmittels langsam zu erhöhen.
    Sollten Sie merken, dass bei der Erhöhung Beschwerden auftreten, so reduzieren Sie die Menge wieder auf die vorherige Portionierung.
  • Grundregel sollte sein: Soviel Nahrungsmittel wie beschwerdefrei möglich.
    Treten Beschwerden auf Reduktion: des Nahrungsmittels oder ganz weglassen.
  • Sie müssen es in diesem Bereich genauso machen wie mit Ihrer Hormoneinstellung, beobachten Sie ihren Körper und passen Sie Ihr Essverhalten dem an, was Ihr Magen-Darm-Trakt zu Ihnen sagt.