Richtig oder falsch?- Aufräumen mit Halbwissen

Sie können sich gar nicht vorstellen wieviele Gerüchte und falsche Behauptungen gerade in dem Bereich der SD- und Hormonerkrankungen im Umlauf sind!

Das Dumme daran ist nur, das die Patienten dadurch häufig extrem verunsichert sind und ihnen somit den Weg der Genesung erschwert wird. Immer wieder werde ich gefragt was es mit Behauptungen auf sich hat und wie hoch deren Wahrheitsgehalt sind.

Verunsichernde Aussagen werden von Ärzten und medizinischem Personal, aber auch sehr häufig von bereits chronisch kranken SD-Patienten an die "neuen" Leidensgenossen weitergegeben.

Ich habe Ihnen hier die häufigsten genannten Halbwahrheiten und gefährliches falsches Halbwissen aufgeschrieben, damit Sie nicht in diese Falle tappen.

Sie können gerne mitraten und prüfen, wieviel Sie davon gewußt haben.

Richtig, falsch oder Halbwahrheit?

  1. Behauptung: Alle SD-Hormon-Präperate sind gleich!

    Diese Aussage ist falsch!

    Die SD-Hormonpräperate untergliedern sich in drei große Wirkstoffgruppen:

    Monopräperate:

    • Präperate mit t4 Hormon
    • Präperate mit t3 Hormon
    • Präperate mit Jod

    Mischpräperate:

    • Präperate mit t3 und t4
    • Präperate mit t4 und Jod

    Thyreostatika:

    • SD-Hormon-Produktionshemmer

    Je nach Art Ihrer Grunderkrankung wird das richtige Medikament für Sie ausgesucht.
    Nun kann es sein das Sie mit Ihrem Medikament nicht zurechtkommen und es nicht so gut vertragen, dann sollte man an einen Präperatwechsel denken.

    Denn was die wenigsten wissen ist, daß sich SD-Medikamente nicht nur in ihren Wirkstoffen unterscheiden, sondern auch in ihren Zusatztstoffen.
    Und diese wiederum machen etlichen SD-Patienten Beschwerden.
    Darum sollte auch immer das gleiche Medikament vom gleichen Hersteller verschrieben werden. Achten Sie darauf das Ihr Arzt auf dem Rezept "aut.idem" ankreuzt, denn nur damit ist die Ausgabe dieses Medikaments an Sie gewährleistet!

    Lesen Sie sich bitte die "Liste Schilddrüsenmedikamente" durch, wenn Sie wissen möchten was es für gängige SD-Medikamente gibt.

  2. Behauptung: SD-Hormone wirken schnell und der Hormonspiegel ist rasch aufgebaut!

    Diese Aussage ist eine Halbwahrheit!

    Bei t3 stimmt diese Aussage. t3 Medikamente wirkt softort ca. 20 Minuten nach Einnahme und ist innerhalb von einem Tag wieder abgebaut.

    Bei t4 stimmt diese Aussage nicht. t4 Medikamente bauen sich sehr langsam auf, deswegen haben Sie den Wirkungseintritt auch wesentlich verzögerter, als bei t3.

    Im Schnitt spricht man bei der Einstellung anfangs von Kontrollen im 4 wöchigen Abstand, wobei die Medizin inzwischen festgestellt hat, das es bis zu 6 Monaten dauern kann bis man die volle Wirkung des aufgebauten Spiegels hat.

    Änderungen merken Sie in diesem Zeitraum. Sehr viele Patienten merken die Änderungen aber schon wesentlich früher nach ca. 4 -6 Wochen

  3. Behauptung: SD-Medikamente bedürfen keiner speziellen Lagerung!

    Diese Aussage ist falsch!

    SD-Tabletten sollten nicht unter Null Grad und über 25 Grad Celsius gelagert werden, da ansonsten ihre Wirkstoffleistung nicht mehr gewährleistet ist.

  4. Behauptung: Der TSH-Wert muß unter 1 sein!

    Diese Aussage ist falsch!

    Der TSH Wert gibt lediglich Auskunft darüber ob die Hypophyse intakt arbeitet, die hormonelle Rückkoppelung funktioniert und ob die t3 udn t4 Werte in der Norm liegen.

    Er gibt nicht zwingen darüber Auskunft, ob Sie sich mit der SD-Hormoneinstellung gut fühlen, oder nicht.

    Bei SD-Krebspatienten sagt man der TSH sollte unter 1,0 liegen, weil dadurch das Risiko erneut zu erkranken gering gehalten wird.

    Jeder Körper reagiert anders und jeder Patient hat seine Wohlfühldosis bei den SD-Hormonen. Danach gilt es sich zu richten.

  5. Behauptung: Der TSH-Wert muß immer gleich sein!

    Diese Aussage ist falsch!

    Der TSH Wert unterliegt natürlichen kleinen Schwankungen. Beim Gesunden genauso wie beim SD-Kranken, das ist normal.

    Sind die Schwankungen groß ist das natürlich nicht mehr normal.

  6. Behauptung: Als SD-Patienten darf man überhaupt kein Jod zu sich nehmen!

    Diese Aussage ist eine Halbwahrheit!

    Um SD-Hormone herstellen und umwandeln zu können benötigt der Körper Jod.
    Auch bei Einnahme von SD-Hormonen ist dies der Fall, ohne Jod wird t4 nicht zu t3 umgewandelt.

    Aber erstens kommt es auf die SD-Erkrankung und zweitens auf die Menge der Jodzufuhr an, die Sie zu sich nehmen.

    Haben Sie beispielsweise einen Jodmangelkropf so brauchen Sie viel Jod.

    Haben Sie ein autonomes Adenom, heiße Knoten oder Morbus Basedow dann dürfen Sie kein Jod zu sich nehmen.

    Haben Sie Hashimoto so brauchen Sie zwar Jod für die Hormonsynthese, aber nur in geringen Mengen (max. Jodzufuhr am Tag ca.200µg). Haben Sie die SD entfernt bekommen so liegt die Jodzufuhr auch bei ca 200 µg am Tag.

    Da wir in der heutigen Zeit eine Überversorgung mit Jod haben, da viele Nahrungsmittel damit angereichert sind, oder Jod als Konservierunsgstoff verwendet wird, gilt inzwischen aber für den Patienten die Regel jodfreies Salz zu verwenden und Nahrungsmitteln mit hohen Joddosen nicht zu essen. Das ist auch richtig so!

  7. Behauptung: Jodhaltige Medikamente können problemlos eingenommen werden!

    Diese Aussage ist falsch!

    SD-Patienten dürfen keine jodhaltigen Salben, Desinfektionsmittel, Nahrungsergänzungsmittel, oder Kontrastmittel bekommen.

    Der Grund dafür liegt darin, das dabei sehr hohe Jodmengen verwendet werden.

  8. Behauptung: SD-Hormon-Präperate können problemlos in Kombination mit anderen Medikamenten eingenommen werden!

    Diese Aussage ist ein falsch!

    Es gibt diverse Medikamente die auf die Wirksamkeit von SD-Präperaten einen Einfluß haben.

    Bei manchen muß zwischen der Einnahme des SD- Hormons und dem einzunehmenden Medikament ein bestimmter Zeitabstand gewahrt werden wie z.B. bei Calciumpräperaten (Zeitabstand beträgt 3 Stunden).

    Andere Medikamente können zwar zusammen eingenommen werden, aber durch Ihre Wirkung bzw. Nebenwirkungen können Sie ebenfalls auf die SD-Hormone wirken.
    Antibotika sind da beispielsweise zu nennen.
    Sie sind wichtig und unabdingbar bei Infektionen, haben aber u.a. die Angewohnheit Durchfälle machen zu können.
    Durch den Durchfall die die Magen-Darm-Passage schneller und das eingenommene SD-Hormon kann deswegen nicht so gut im Darm aufgenommen werden - die Folge davon: Sie merken es mit der Zeit an den Hormonen.
    Deswegen müssen Sie bei Indikation trotzdem Antibiotika einnehmen, sollten sich aber bewußt sein, das bei Durchfall, oder Erbrechen genanntes Problem auftreten kann. Darum kontaktieren Sie dann bitte sofort Ihren behandelnden Arzt!

    Es gibt auch Medikamente die Sie als SD-Erkrankter der SD-Hormone einnehmen muß gar nicht einnehmen sollen.
    Ein Beispiel dafür ist Acetylsalicylsäure ab einer Dosierung von 250 mg, da es das SD-Hormon aus dem Blutplasma drängt.

    Lesen Sie also immer den Beipackzettel von Ihrem SD-Hormon und den Beipackzettel des Ihnen verordeneten Medikaments (Tabletten, Salben, Tropfen, Zäpfchen, Spritzen, Infusionen, Desinfektionsmittel, Nahrungsergänzungsmittel).
    Das kann Ihnen viel Ärger ersparen.

  9. Behauptung: Nur ein Schilddrüsen-Szintigramm kann Aufschluß über die Erkrankung geben!

    Diese Aussage ist eine Halbwahrheit !

    Um SD-Erkrankungen feststellen zu können braucht es Blutwerte, einen Ultraschall, die richtige Einordung der Beschwerden die der Patient angibt und je nach Verdachtsdiagnose ein Szintigramm.
    Allein mit einem Szinti können Sie eine SD-Erkrankung nicht bestimmen.

    Aber mit einem Szinti kann festgesellt werden, wie die Hormonspeicherung in der SD ist und wie die SD-Areale arbeiten.
    Das ist wichtig bei Patienten mit autonomen Adenomen, kalten & heißen Knoten und bei SD-Krebs-Verdacht.

    Bei Hashimoto ist der Farb-Doppler ( U-Schall) das erste Mittel der Wahl in der Bildgebung.

  10. Behauptung: Radiojodtherapie (= RJT) ist einer SD-OP vorzuziehen!

    Diese Aussage ist eine Halbwahrheit!

    Bei SD-Krebs wird im Regelfall nach einer totalen SD-Entfernung eine RJT durchgeführt.
    Das ist richtig und sinnvoll!

    Bei Hashimoto und Morbus Basedow werden inzwischen auch RJT durchgeführt, aber den Patienten geht es danach hundeelend und das für einen sehr langen Zeitraum.
    Sie haben danach massivste Probleme bei der Einstellung mit SD-Hormonen und schwanken extremst zwischen Unter- und Überfunktion.
    Teilweise treten diese Schwankungen in einem Zeitraum von 5 Tagen auf.
    RJT ist für diese Patientengruppe nicht geeignet

    Für Patienten mit Knoten und autonomen Adenomen ist die koventionelle OP geeigneter, weil Sie danach mit der Hormoneinstellung nicht solche Probleme haben.
    Mit einem guter Operateur ist dieser Weg mit weniger Qual gepflastert.

  11. Behauptung: Eine SD-OP ist eine kleine und leichte Operation!

    Diese Aussage ist falsch!

    Das OP-Gebiet ist sehr kifflig, da es räumlich stark begrenzt ist.
    In diesem Halsabschnitt verlaufen wichtigste Gefäß- und Nervenbahnen für den Kopf, sowie der Kehlkopf, die Luft- und Speiseröhre.
    Also herrscht ein ganz schönes Getummel und es ist eng

    Im Schnitt dauert eine SD-OP je nach Grunderkrankung, Operateur und komplikationslosem Verlauf zwischen 1,5 und 2,5 Stunden, manchmal auch an die 3 Stunden bei ganz fiesen Fällen.

    Danach fehlt Ihnen das drittwichtigste hormonelle Organ im Körper, es ist also keine leichte OP.

  12. Behauptung: Hashimoto und Morb. Basedow - Nach einer OP sind die Beschwerden weg!

    Diese Aussage ist falsch!

    Durch die OP wird die SD entfernt und somit das Organ an dem diese beiden Erkrankungen hauptsächlich herumwerkeln und die schlimmsten Beschwerden machen.
    Aber die Erkrankung an sich ist dadurch nicht behoben. Sie ist behandelt aber nicht geheilt.

    Hashimoto und Morb. Basedow sind momentan nicht heilbar.
    Das heißt Beschwerden wie Knochen und Muskelschmerzen bei akuten Hashimoto-Schüben werden bleiben.
    Eine endokrine Orbithopathie kann trotzdem nach SD-OP bei Morb. Basedow (und in Einzelfällen bei Hashimoto) entstehen.

    Die Autoimmunerkrankungen der SD sind chronische Krankheiten. Sie können aber mit viel Geduld beschwerdearm werden, durch die richtige Therapie.

  13. Behauptung: Autonome Adenome und Knoten kommen nach einer OP nicht wieder!

    Diese Aussage ist falsch!

    Adenome, sowie heiße und kalte Knoten können an der SD immer wieder entstehen, es sei den die SD ist komplett entfernt.

    Sie haben aber im Schnitt nach einer OP ein kaum erhöhtes Risiko wieder daran zu erkranken, im Vergleich zu einem Gesunden.
    Trotzdem sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll.

  14. Behauptung: Eine Diät & Sport hilft bei der Gewichtsabnahme bei SD-Unterfunktion!

    Diese Aussage ist falsch!

    Solange Sie in einer SD-UF sind können Sie Sport treiben bis zum umfallen, was meist dank der UF nicht lange dauert. ;-) ...und Sie können Kalorien reduizieren das es pfeift, Sie werden dadurch kein Gramm Fett verlieren!
    Der Grund dafür liegt darin das die SD- Hormone mit am Fettstoffwechsel und auch am Zuckerstoffwechsel beteiligt sind. Sind Sie da in einer UF hilft nur eines: abwarten bis die Normalfunktion wieder hergestellt ist und dann können Sie erfolgreich sporteln und diäten.

    Außerdem sind Diäten einen Belastung für den Körper und deswegen bei Unter, oder Überfunktion nicht zu empfehlen.

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