Fachdisziplinen - Welcher Arzt ist für was zuständig?

Immer wieder bekomme ich Anfragen, Anrufe und Fragestellungen in der Selbsthilfegruppe von verzweifelten SD-Erkrankten.

Als erstes höre ich meistens: "Ich war beim Doktor und der hat gesagt ich habe eine SD-Erkrankung. Der Arzt hat gesagt ich muß xy machen, aber ich weiß nicht so recht, mir geht es einfach nicht gut."

Inzwischen ist meine erste Frage, ob der Patient schon beim Facharzt war.
Ich bekomme dies in 90 % der Fälle bestätigt und dann frage ich schon aufgrund meiner Erfahrungswerte, ob der Patient beim Endokrinologen war.

Boing - damit treff ich in 98 % der Fälle genau in's Schwarze!
Denn die Betroffenen waren zwar bei einem Facharzt, aber zumeist bei allgemeinen Internisten, oder sehr häufig bei Radiologen und Nuklearmedizinern, die sich dem Patient als Spezialist für SD-Erkrankungen vorstellten.

Wenn ich dann den Betroffenen sage, das diese Mediziner alles Fachärzte sind, aber nicht die Fachärzte für Stoffwechsel- und somit auch SD-Erkrankungen, sind die meisten sehr erstaunt und wußten das nicht.
In schätzungsweise 70% der Fälle die sich dann zum Endokrinologen begeben, stellt sich nach einger Zeit, aufgrund einer auf den Patienten angepaßten Therapie, eine Verbesserung des Befindens ein.

Darum habe ich entschlossen das es dringen Zeit wird für diese Rubrik!
Ich schreibe Ihnen hier alphabetisch geordnet, die Oberbegriffe der Facharztdisziplinen und deren Wirkungsbereiche auf.

Fachdisziplinen

Es gibt eine grobe Unterscheidung in der Medizin: Einmal die Innere Medizin die nicht operiert, sondern rein medikamentös behandelt und einmal die Chirurgie die schwerpunktmäßig operiert und natürlich auch medikamentös tätig ist.
Es gibt so gesehen für jedes Körperteil einen Facharzt in der inneren Medizin, sowie Chirurgie.

Dann gibt es noch Diagnostikerbereiche wie z.B. Radiologie, Pharamkologie und Pathologie und die Sonderbereiche der Onkologie, Strahlentherapie, Opthalmologie und Gynäkologie.

Allgemeinarzt:

Facharzt für Allgemeinmedizin, meist auch als Hausarzt bezeichnet. Er kümmert sich um die Grundversorgung des Patienten, ist meist erste Anlaufstelle und koordiniert weitere Fachdiagnostik & Behandlung per Überweisungen bei Krankheitsgeschehen.
Behandlung akuter Infektionen, teilweise Vorsorgeuntersuchungen, sowie Imfungen gehören ebenfalls zu seinem Spektrum.
Inzwischen bieten viele Allgemeinärzte zusätzliche Behandlungsbereiche an wie: Akupunktur, Akupessur, chinesische Heilmedizin und Homöopathie.

Die Hausärzte übernehmen auch hauptsächlich die ärztliche Notfall-Versorgung an Feiertagen und Wochenenden in Form von Hausarztbesuchen, bei akut auftretenden Beschwerden.

Anästhesist:

Facharzt für Narkose. Diese Ärzte werden bei jeder Operation die in Vollnarkose, oder Kurznarkose gemacht wird gebraucht.
Man findet sie auch als behandelnde Ärzte auf Intensivstation, sowie als Notarzt.

Angiologe:

Facharzt für Gefäßerkrankungen an Aterien, Venen und auch an Lymphgefäßen.
Sind häufig im diagnostischen Bereich tätig.

Allergologe:

Facharzt für allergische Erkrankungen, oftmals in Kombination als Dermatologe s.u.

Arbeitsmediziner:

Können aus verschiedenen Fachdisziplinen kommen, sind sehr häufig Internisten oder Allgemeinmediziner.
Da gibt es nun zwei Bereiche, einmal den Arbeitsmediziner für das Personal der für die Gesundheit am Arbeitsplatz zuständig ist.

Zum anderen trifft man Arbeitsmediziner in Behörden und Ämtern in Form von Gutachtern an, die über berufsbedingte Erkrankungen entscheiden und u.a. über die Arbeitsfähigkeit eines Patienten.
Sollten Sie zu einer Begutachtung eines Arbeitsmediziners geschickt werden, fragen Sie immer nach seinem Facharztbereich nach!
Denn je nach Facharztrubrik, ist er nicht in der Lage Ihre Erkrankung richtig einschätzen zu können.

Chirurg:

Facharzt für operative Eingriffe. Die Chirurgen unterteilen sich ihrerseits wieder in verschiedene Fachbereiche in denen sie operieren.
Als Faustregel können Sie sich merken für jedes Organ und Körperteil gibt es eine Facharztrichtung der Chirurgie.
Ausnahme: Gynäkologie s.u.

Dermatologe:

Facharzt für Hauterkrankungen, Geschlechtskrankheiten: Sehr häufig sind sie auch Allergologen.

"Dialyse-Arzt":

Diese Bezeichnung haben Sie vielleicht schon einmal gehört. Darunter versteht man Fachärzte der Inneren Medizin, die sich auf den Bereich der Nierenerkrankungen und der Blutwäsche = Dialyse spezialisiert haben.

Endokrinologe:

Facharzt für alle Stoffwechsel - und Hormonerkrankungen, sowie Hormonungleichgewichte.
Ursachenfindung und Therapie von Stoffwechselerkankungen sind sein Schwerpunkt.

Dazu gehören u.a. Blutuntersuchungen, Hormon - oder Glucosebelastungstestungen, genetische Analysen, Ultaschall und Knochedichtemessungen, sowie weiterführende Diagnostik die durch die Überweisung an einen anderen Facharztbereich erreicht wird.

Gastroenterologe:

Facharzt für Magen-, Darm-, Bauchspeicheldrüse-, Galle- und Lebererkrankungen.
Sie sind auch für die Feststellung und Therapie von Nahrungsmittelunverträglichkeiten zuständig.

Gynäkologe:

Facharzt für die Frau :-). Zu seinem Fachbereich gehören Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane, Betreuung in der Schwangerschaft, Geburtshilfe, Operationen von Gebärmutter, Eierstock und Brust, Nachsorge genannter Operationen, Hilfestellung bei Wechseljahrsbeschwerden, Überprüfung der weiblichen Sexualhormone und Mitbetreuung bei Krebserkrankungen weiblicher Geschlechtsorgane.

HNO:

Facharzt für Hals-, Nasen-, Rachen-, Ohren-, Kehlkopferkankungen und Überprüfung der Stimmbänder.
Wichtig vor SD-Operation.

Hepatologen:

Facharzt für Lebererkrankungen.

Hämatologen:

Facharzt für Blut-, Immunsystem- und Knochenmarkerkankungen

Internist:

Facharzt für Innere Medizin, die sich wiederum in die verschiedenen Bereiche der Körperorgane aufteilt.
Das heißt ein Lungenfacharzt ist genauso ein Internist, wie ein Herz-, oder Nierenfacharzt.

Kardiologe:

Facharzt für Herz-Kreislauferkrankungen, dazu zählen Herzrhythmusstörungen, Herzwandverdickungen, Herzinsuffizienz, Herzinfark, Erkrankungen der Herzkranzgefäße = Koronargefäße.

Labormediziner & Mikrobiologe:

Facharzt für sämtliche Untersuchungen von Körperflüssigkeiten: Speichel, Blut, Magensaft, Urin, Kot.
Facharzt für genetische Untersuchungen und Diagnostiker für Infektionskrankheiten.

Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurg:

Facharzt für Mund - Kiefer- und Gesichtsknochenerkrankungen, Entzündungen und Unfälle.

Nephrologe:

Facharzt für Nierenerkrankungen und Dialyse. Er beschäftigt sich mit der Erkrankung der Niere.
Der Urologe s.u. beschäftigt sich ebenfalls mit der Niere, sowie den ableitenden Harnwegen und Organen, er operiert auch.
So gesehen haben Sie hier zwei Fachrichtungen die sich teilweise überschneiden.

Nuklearmediziner:

Facharzt für Strahlenmedizin im diagnostischen sowie therapeutischen Bereich.
Oft spricht man von Nuklearmedizinern die bei Krebspatienten Strahlentherapien durchführen, auch als Strahlentherapeut.

Neurologe:

Facharzt für Erkrankungen des Gehirns, Rückenmarks und der Nervenbahnen im Bereich der Inneren Medizin.
Die Neurochirurgen sind zuständig für die Operationen an Gehirn und Rückenmark.
Beide Disziplinen arbeiten oft sehr eng zusammen, besonders bei Hirntumor-Patienten.

Notarzt:

Bis jetzt ist der Begriff Notarzt bei uns keine Facharztbezeichnung, wie HNO oder ähnliches.
Notärzte sind aber zusätzlich für die notfallärztliche Behandlung ausgebildet und kommen meistens aus den Fachdisziplinen der Anästhesie oder Intensivmedizin.
Eine bestimmte Anzahl von Notärzten ist meistens einem bestimmten Gebiet zugeordnet.

Die Hauptaufgabe des Notarztes besteht darin, den meist in lebensgefahr schwebenden Patienten lebendig in das nächste Krankenhaus zu bringen.
Er ist also für die Behandlung absolut akuter, lebensbedrohlicher Situationen zuständig und nicht für Therapiefragen bei Dauermedikamenteneinnahme. Für letzteres ist der nofallärztliche Dienst, meist durch einen Allgemeinmediziner, oder Internisten zuständig.

Ich betone das extra deswegen so, damit Sie wissen an wen Sie sich im Notfall wenden müssen.
Beispiel: Bei Infekt mit hohem Fieber, Durchfällen, oder Erbrechen, Knöchel verstaucht usw. der notfallärztliche Dienst.
Bei Atemnot, Herzbeschwerden, Kreislaufkollaps, schwere Unfälle, epileptischen Anfällen, allergischem Schock, Schock, großflächigen Verbrennungen etc. sofort den Notarzt verständigen.

Onkologe:

Facharzt für Krebserkrankungen. Er ist für die Betreuung und Nachbehandlung bei Krebs zuständig, aber auch für die palliative Therapie bei Krebspatienten.
Das bedeutet bei Krebspatienten im Endstadium behandelt er die Symptome, aber nicht mehr die Ursache.

Ophtalmologe:

Facharzt für Augenerkankungen.
Augenärzte gehören zu den kleinen Bereich bei denen eine Fachrichtung den chirurgischen sowie den "innere Medizin" Anteil gleichermaßen übernimmt.
Ein Augenarzt kann also Augenerkrankungen behandeln durch Medikamente, Laser und Operation.

Orthopäde:

Facharzt für Erkrankungen des menschlichen Bewegungs- und Stützapperates.
Häufig haben Sie die Zusatzausbildung als Sportmediziner.

Die Orthopädie zählt ebenfalls zu den Bereichen in denen man die Chirurgie und die "innere Medizin" zusammen antreffen kann.

Pädiater:

Facharzte für Kinder und Jugendliche.

Pathologe:

Facharzt für abnorme und krankhafte Veränderungen im menschlichen Organismus, Ursachenforschung von der Entstehung und Entwicklung von Erkrankungen und dessen Veränderungen im Körper.
Außerdem ist er auch für die systematische Einordnung und Beschreibung von Krankheiten zuständig.

Sehr häufig wird er zur Untersuchung von Gewebeproben und zu Obduktionen benötigt.

Pharamkologe:

Facharzt für die Erforschung und Entwicklung von Arzneimitteln.

Pneumologe:

Facharzt für Lungenerkrankungen.

Proktologe:

Facharzt für Erkrankungen am Enddarmabschnitt und des Afters.

Psychosomatiker:

Ich weiß nicht, ob das inziwschen eine Facharztrubrik ist.
Es handelt sich um Ärzte die darauf spezialisiert sind herauszufinden, ob eine körperliche Erkrankung eine seelische Ursache hat.

Sehr häufig werden organisch ursächlich erkrankte Patienten zum Psychosomatiker geschoben, der ihnen auch nicht weiterhelfen kann, da er ja die seelischen Ursachen behandelt.

Psychologe:

Ein Psychologe muß kein Arzt sein, kann es aber sein.
Jedoch ist es bei uns unabdingbar, das er Psychologie studiert und sein Diplom als Psychologe gemacht haben muß.

Ein Psychologe behandelt mittels Tiefenpsychologietherapie, Verhaltenspsychologietherapie Patienten die unter diversen seelischen Schieflagen, Erkrankungen und Problemen leiden.

Psychiater:

Facharzt für psychische Erkrankungen wie Depressionen, Manie, Schizophrenie, Neurosen, Zwangsvorstellungen, Wahnvorstellungen Halluzinationen, Suchtkranke usw.

Radiologe:

Facharzt für bildgebende Verfahren im Bereich der Computertomographie, Kernspintomogarphie, Röntgen, Ultaschall.
Sowie Facharzt für therapeutische Bereiche in der Radiologie, Strahlentherapie und Nuklearmedizin.

Rheumatologe:

Facharzt für alle entzündlichen autoimmunen Erkrankungen des Bewegungsapperates und Gewebes z.B. Weichteilrheumatismus.

Tropenmediziner:

Facharzt für tropische Erkrankungen.

Transfusionsmediziner:

Facharzt für Herstellung und Überwachung von Blutpräperaten, sowie Betreuung von Blutspendern.

Urologe:

Facharzt für Erkrankungen der harnproduzierenden und harnausscheidenen Organe, also Niere, Harnleiter, Blase, Harnröhre und bei den Männern die Porstata.

Veterinär:

Tierarzt

Zahnarzt:

Den kenne wir alle, oder sollten es zumindest. :-)
Facharzt für die Erhaltung gesunder Zähne und Behandlung erkrankter Zähne

Zum Schluß möchte ich noch anmerken, das viele Fachdisziplinen Hand in Hand arbeiten, arbeiten sollen, arbeiten müssen, arbeiten müßten.

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