Liebe Natascha,
schön dass es solche Leute wie Dich gibt (ich hoffe es ist ok, wenn ich hier einfach Duze)???

Ich möchte Dir meine Geschichte erzählen - Sie ist mal wieder der Beweis für die Psychoschiene und ganz ehrlich: Wenn ich nicht selbst psychologisch geschult wäre, wäre ich jetzt in der Klappsmühle.

Ich hatte schon immer mal "nervösere" Zeiten in meinem Leben, in denen ich mich unwohl fühlte und nur 48 Kilo (bei 168cm) wog. Dass mir die Haare mal mehr oder weniger ausgehen, habe ich auf die Jahreszeit geschoben. Tiere verlieren ja auch ihr Fell. Heute weiss ich, dass ich wohl schon immer mit der SD zu tun hatte.

Vor drei Jahren (ich war 36) hatte ich die Diagnose V.a. auf Mamakarzinom und wurde an der Brust operiert. Ich habe danach mit Ausdauersport angefangen und mich recht gut erholt. Im letzten Herbst, November 2004, hatte ich total viel Sport gemacht und danach hatte ich Durchfall und war SUPERNERVÖS.
Damit ging ich zum Hausarzt. Der fragte mich: "Ham's a Problem?" (man merkt schon am Dialekt: ich wohne bei München). Vom Hausarzt bekam ich was gegen den Durchfall und Bromazanil.
Bromazanil gehört zu den Benzodiazepinen. Diese tun einem sehr gut aber man kann innerhalb einer Woche davon abhängig werden. Also habe ich mich nicht wirklich getraut diese zu nehmen, weil ich in meinem Studium gelernt hatte, wie gefährlich das sein kann, wie hoch die Toleranz ist und blablabla. Ich habe die Nervosität auf die zu hohe sportliche Belastung geschoben und auf den Stress.

In der Woche vor Weihnachten hatte ich dann einen 120 bis 150 Ruhepuls, war total fertig, erschöpft und doch aufgedreht. Einfach nicht mehr ich selbst. Sport war vorbei, ich war froh, wenn ich über eine Treppe kam.
So ging ich zu einem anderen Arzt. Der meinte (weil er vor Weihnachten keine Zeit mehr für Untersuchungen hatte): "Körperlich fehlt Ihnen bestimmt nichts, das ist einfach Erschöpfung. Da machen wir Akupunktur und eine spezielle Diät." Er gab mir Cipralex. Cipralex ist ein Serotonin-Reuptake-Hemmer und wird bei Depressionen z.B. verschrieben. Er greift direkt in den Stoffwechsel des Gehirns ein.

Super: Nach einer halben Tablette Cipralex benötigte ich einen Notarzt.
Ich hatte noch überlegt, ob ich den psychiatrischen Notdienst oder den normalen Notarzt rufen sollte. Ich mußte mich endlos übergeben und hatte die totale Paradoxreaktion. Ich hibbelte nur noch rum. Der Notarzt meinte dann, ich solle auf jedem Fall noch vor Weihnachten meine SD-Werte checken lassen.

Das geschah dann auch so bei dem ersten o.g. Arzt. Und nach den Feiertagen wußte ich, dass mit der SD was nicht stimmte und noch vor Sylvester hatte ich ein Szinti. Diagnose: Autonomes Adenom.
Bis dahin wurde ich zum Psychopharmakatester. Ich hatte also Insidon, Bromazanil, Cipralex, also fast alle Medikamentengruppen durch.

Ich bekam nun ein Thyreostatikum (Carbimazol) und ging am 20. Januar 2005 in ein Krankenhaus, das auf SD spezialisiert ist und das sich im Internet lobt wegen der enormen Menschlichkeit.

Meinen Operateur habe ich vorher nicht zu Gesicht bekommen. Die "Wurstigkeitstabletten" bekam ich zu spät. Im OP-Bereich war auch niemand zu sehen.
Ich habe mir dann die Akte auf meinen Beinen geschnappt und geschaut, ob das auch wirklich meine Akte ist und nicht versehentlich was anderes rausoperiert wird.
Irgendwann kam einer im Laufschritt vorbei und meinte "Jetzt wird's Ihnen gleich schwindlig". Das war wohl der Anästhsist.
Irgendwann war ich weg und als ich wieder aufwachte ... Naja...Im Vorbeilaufen auf dem Flur hat ein Arzt gemeint: "Bei Ihnen lief alles gut". Ich habe dann gefragt: "Und meine Neben-SD". "Jaja, die haben Sie noch", war die Antwort - und weg war er.

Es tat mir schon alles sehr weh und ich war total nervös, weil durch die OP die SD gequetscht wurde und noch mehr Hormone ausgeschüttet wurden.
Mit Valium bekam man das in Griff! Nach einigen Tagen war mein ganzer Hals rot und meine Temperatur stieg.
Ich bat die Schwestern um Fiebermessen (das haben die nicht von alleine getan). Und nachdem die Temperatur langsam anstieg habe ich gefragt, ob sie nicht meinten, dass sie mal einen Arzt vorbeischicken sollten. Ich bekam Umschläge. Als ich dann mal auf dem Flur kollabierte, war ein echter Tumult und dann haben die es wohl doch mit der Angst zu tun bekommen und man hat mich am gleichen Abend in den sterilen Raum gebracht.

Dort wurde eine Infektion der Wunde festgestellt und sie wurde etwas geöffnet. Übrigens wurde mir mitgeteilt, dass ich eine Wundheilungsstörung hätte. Bisher hatte ich eine super Wundheilung.
Wenn ich einen Sportunfall hatte, konnte ich das mit dreckigen Socken abbinden und nie ist was passiert.
Auf einmal hatte ich eine Wundheilungsstörung. Nicht das Krankenhaus hatte einen Erreger im OP. Na da bin ich aber froh. Übrigens ist auch eine andere Patientin aus dem gleichen Zimmer wieder aufgeplatzt. Na so ein Zufall !!!

Am nächsten Mittag kam ich wieder in den sterilen Raum und die Wunde wurde OHNE SCHMERZMITTEL UND OHNE NARKOSE mit einer Schere ganz aufgeschnitten und ausgereinigt.
(Anmerkung Webmasterin: infektiöse Op-Wunden reinigen und behandeln, ohne vorher Schmerzmittel zu geben, zeugt von extrem schlechter Behandlung. In jedem Buch für Krankenpflege und für Chirugie findet man den Hinweis, vor solchen Wundbehandlungen den Patient ausreichend mit Schmerzmitteln zu versorgen und abzuwarten, bis diese wirken)
Ich habe darauf gewartet, dass ich ohnmächtig würde, aber leider wurde ich es nicht.

Als ich zurück in meinem Zimmer war, habe ich geheult. Ich war am Ende. Von da ab bekam ich Schmerzmittel bevor 2 mal täglich die Wunde gereinigt wurde. Einmal hat mir der Zivi versehentlich Abführmittel gegeben. Das war auch flüssig. Aber süsser und zäher. Als ich dann fragte, bekam ich keine Antwort.
Der Hals mußte offen bleiben und von innen nach aussen verheilen. Die erste Zeit wollte mir keiner die Wunde zeigen, aber nach einer Woche wurde mir gezeigt, wie ich die Wunde duschen sollte und da habe ich mich zu ersten mal gesehen.
Es war so, dass ich mir beim Sprechen zuschauen konnte. Es war wie die Ausstellung "Körperwelten" von Prof. Hagen. Irgendwie hat mir vor mir gegraust und gestunken habe ich, bzw. die Wunde auch. Nach 2 Wochen wurde ich entlassen und mußte täglich in die Klinik zum Ausreinigen der Wunde.

Durch die Fäden (man wird ja auch innen genäht) kam es bei mir zum Klosgefühl im Hals, das war so stark, dass ich mich übergeben mußte, bzw. nichts mehr behalten habe. Wenn ich Saft getrunken habe, kam er durch das Würgegefühl wieder hoch. Ich danke noch immer meinem Mann, der die ganzen Sauereien ohne zu Murren weggemacht hat.

Ich habe mir dann im Krankenhaus noch anhören müssen, dass ich wohl überfordert sei. Sowas hätten sie noch nie gehabt und ich könne ja wieder da bleiben, damit ich künstlich ernährt würde.

Eine andere Ärztin meinte, ich hätte Wechseljahre und das Schwitzen käme nicht von den SD-Hormonen. Es gäbe nämlich auch Frühwechslerinnen.
Wieder eine andere Ärztin sagte, ich solle froh sein, dass ich endlich mal abgenommen habe (5 Kilo in 2 Wochen), weil ich dann für diesen Sommer mal ne gescheite Bikinifigur hätte.
Meiner Meinung nach hatte ich die vorher aber auch schon - die gescheite Figur. Mein Mann und ich waren schon ganz gespannt, was für Frechheiten wir uns immer wieder auf's Neue anhören mußten. Wir haben das dann irgendwann nicht mehr ernst genommen.

Als mich mein Hausarzt das erste Mal nach der OP sah, hat er sich total aufgeregt und hat den Hals fotografiert. Wie könne man eine junge Frau, die auf sich was hält, dermassen vermurksen. Der ist echt ausgeflippt.
Mein Allgemeinzustand war auch nicht gerade toll.
Die SD-Hormon-Tabletten wurden mit 50 angefangen und langsam auf 75 gesteigert. Ich hatte hohen Puls, habe alles total naß geschwitzt und war so unfit, ich dachte ich sei nun ein Pflegefall. Nach drei Wochen bin ich wieder zur Arbeit, da ich mich aufgrund der derzeitigen Lage einfach nicht getraut habe, länger krank zu sein.

Ich saß mit Tüte am Schreibtisch, es hat mich immer wieder gewürgt. Sehr langsam wurde alles besser, aber wohl auch, weil ich mich nicht hängen liess. Ich bin zum Joggen und hing würgend im Strassenrand. Immer wieder wurde mir bestätigt, meine Werte sind nun ok, alles was noch ist an Symptomen komme nicht von der SD.
Es ist wohl psychisch. Irgendwann habe ich meinem Hausarzt dann gesagt, dass wenn er noch einmal zu mir sagt, dass was psychisch ist, dass ich dann hier ausflippe, der Psychologe bin wohl ich und nicht er. Und was ich von seiner weissen Zunft halte, habe ich dann auch noch erklärt.

Als ich heuer im Sommer am Atlantik war, war mein T4 und fT4 über der Norm nach vier Wochen. Da hat auch kein Arzt gewußt warum und man dachte an Rezidiv. Es ist wieder ein autonomes Adenom da. Ich war total geschockt. Aber dann ist der Wert nach weiteren 8 Wochen wieder runter gegangen, d.h. ich habe wohl nur auf das viele Jod am Atlantik und durch den Fisch/Meeresfrüchte reagiert. Das hat mir auch wieder kein Arzt gesagt.

Ausserdem meint jeder Doc was anderes. Die einen sagen ich solle Jod nehmen, für die restliche SD, damit nichts mehr nachwächst. Die anderen sagen, ich solle auf keinem Fall Jod nehmen bei einer Autonomie könne eine ÜF wieder ausgelöst werden.

Woher soll man denn wissen, was ist denn nun zu tun, wenn jeder Doc was anderes sagt.

Kurz und gut. Ich bin zufrieden mit dem, wie es mir geht. Oft noch bin ich sehr nervös und das Herz scheppert recht stark. Manchmal würgt es noch.
Auf Krankenhäuser und Ärzte reagiere ich körperlich. Als ich eine Freundin im Krankenhaus besuchte, bekam ich fast Zustände. Habe wohl eine Phobie bekommen - die wird sicherlich wieder vergehen aber Vertrauen habe ich überhaupt keines mehr in unser Gesundheitssystem.

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