Erst einmal vorab: Die Berichte, die ich bisher gelesen habe, sind wesentlichschlimmer als meine "Geschichte" und haben mich sehr betroffen gemacht.
Und doch haben die Hormone auch mich so weit aus der Bahn geworfen, dass ich zunächst erst einmal dachte, ich wäre todkrank, später dann, ich könnte niemals mehr die Lebensqualität wiedererlangen, die ich vorher hatte.

Ich bin weiblich, 43 Jahre alt und wurde 1990 operiert wegen kalter Knoten, Unterfunktion und es wurde ein Schnellschnitt gemacht.
Ich habe schon vor der OP Thyroxin bekommenm dann nach der OP (kurzzeitig erhöht) weiter. Alles lief wunderbar.
Es ging mir bald wieder gut, ich war offenbar gut eingestellt und mir war dadurch überhaupt nicht klar, welch ein gravierender Eingriff eine solche OP eigentlich ist.
Jährlich wurden in einer Schilddrüsenpraxis in Berlin meine Werte gecheckt, zweijährlich wurde eine Sonografie gemacht. Alles war immer bestens.

Dann (es muß ca. 1997 gewesen sein) kam meine Ärztin auf die Idee, dass man nach neuesten Erkenntnissen bei einem noch vorhandenen Volumen von mindestens 7 ml Gewebe nur noch mit Jod behandeln könnte.
Ich hatte genau noch ca. 7 ml Gewebe, also bekam ich Jod.
Es änderte sich nicht sofort etwas, und als sich etwas änderte, kam ich natürlich nicht darauf, dass es an der SD liegen könnte.

Ich stelle also jetzt einen Zusammenhang her, der mir damals nicht bewußt war.
Irgendwann stellte ich fest, dass ich Alkohol nicht mehr so gut vertrug. Ab drei Gläsern Wein wurde es kritisch, ich wachte nach 2-3 Stunden Schlaf mit klopfendem Herzen auf, hatte Schweißausbrüche und Todesangst.
Also gut, dachte ich, du wirst halt älter, lass es einfach. Irgendwann bekam ich Herzrhytmusstörungen, richtige Aussetzer. Ich bin nicht sofort zum Arzt gegangen, weil mir graute vor dem Apparat, der dadurch in Gang gesetzt werden würde und am Ende nichts bringen würde.
Ich nahm Magnesium. Aber es half nicht. Als ich dann doch zum Arzt ging, stellte der auch Bluthochdruck fest. Ich bekam einen Betablocker, kleinste Dosierung, der nahm dann auch noch die Aussetzer ganz gut mit weg.

Es ging mir besser. Organisch war ich kerngesund nach EKG und Sonografie. Auf meine Frage, wieso ich denn Bluthochdruck hätte, wo ich doch schlank sei, viel Sport treibe, mich gesund ernähre (normale Blutfettwerte), bekam ich die Antwort: Stress.
Auf meine Entgegnung, ich hätte aber keinen Stress: Sie sind sich dessen nur nicht bewußt!
Na gut. In der Schilddrüsensprechstunde waren wieder alle Werte in Ordnung so wie immer. Ich erzählte von meinem Betablocker, das rief aber keinerlei Reaktionen hervor.

Letztes Jahr dann bekam ich Kopfschmerzen, fühlte mich ständig schlapp und krank. Ich hatte einen stark überhöhten Senkungswert, es wurde eine Entzündung der NNH diagnostiziert, obwohl das CT der NNH kaum was zeigte, auch Schnupfen hatte ich jahrelang nicht gehabt.
Aber eine Entzündnung musste es sein, also bekam ich Antibiotika, 2 verschiedene hintereinander, das zweite wirkte dann irgendwie.
Ich kam wieder auf die Beine, aber es war anders als vorher. Ich hatte nun manchmal Kopfschmerzen (im Hinterkopf) und dieses komische Schnupfengefühl, so als liefe Schleim, es läuft aber nichts. So eine Spannungsgefühl in der Nase. Im Zuge dieser Erkrankung war mein Blutdruck gesunken, den Betablocker konnte ich jetzt wieder weglassen.

Ich kam wiederwunderbar zurecht. Gegen die gelegentlichen Kopfschmerzen half Aspirin.
Im Frühjahr dieses Jahres (2004; Anmerk v. Webmansterin) bemerkte ich dann nach körperlicher Belastung (vor allem nach dem Joggen) ein unangenehmes Wärmegefühl auf Brust und Rücken, Druck auf das rechte Auge und Ohr,aus dem Bauch aufsteigendes Angst- und Panikgefühl, das sich in einem weißen Blitz vor meinem inneren Auge entlud.
Ich fing wieder an, meinen Blutdruck zu messen. Er war ziemlich hoch (136/96), also nahm ich wieder den Betablocker.
Der wirkte aber plötzlich nicht mehr, obwohl ich die Dosis sogar erhöht hatte. Ich hatte das Gefühl, dass etwas oberfaul war.
Ich dachte an einen Hirntumor, da die meisten Sachen mit dem Kopf zu tun hatten. Dann kam der Tag, an dem ich merkte, dass plötzlich alles anders war.
Mir war bei kleinster Anstrenung schwindlig, ich schaffte es kaum noch, mich auf den Beinen zu halten, hatte Schmerzen im linken Arm. Ich wusste instinktiv, dass ich keinen Alkohol und kein Koffein vetrug. Nach mehreren Tagen trank ich dann doch einen Kaffee. Dann fand ich mich in der Notaufnahme im Krankenhaus wieder.

Die Symptome, die ich den Ärzten schilderte, waren sehr vielfältig, das einzige, was messbar war waren ein sehr hoher Blutdruck und Puls. Sämtliche Blutwerte waren in Ordnung. Grosse Ratlosigkeit.
Ich wurde eine Woche dabehalten für die Klärung herzseitig (EKG, Sonografie) und kopfseitig (MRT). Alles war ohne Befund.

Jetzt kam die Psychoseite ins Spiel. Ich sollte mich in psychologische Behandlung begeben.
Im Krankenhaus ging es mir unter den Bedingungen der Ruhe und Tatenlosigkeit gut. Als ich an einem der Tage am Nachmittag einen Spaziergang machte, legte sich nach ca. 5 Minuten Gehens wieder dieser "eiserne Ring" um meinen linken Arm und meine Brust.
Während der MRT-Untersuchung bekam ich ein Kontrastmittel gespritzt, das sofort einen dieser weißen Blitze hervorrief. Am Tag der Entlassung ging es mir besonders schlecht. Mir war übel und ich war sehr schwach.
Nachts wachte ich auf, weil ich Schweissausbrüche hatte, mein Kopf war taub und meine Zunge fühlte sich geschwollen an. Ich bekam große Angst und landete wieder in der Notaufnahme.
Mit einem Beruhigungsmittel wurde ich für die Nacht dortbehalten.
Am nächsten Morgen ging ich wieder nach Hause und nahm mir vor, was auch immer passiert, hierher kommst du nicht mehr zurück. Sie hatten mich (ich war natürlich mittlerweile bekannt) voll auf die Psychoschiene geschoben.

Ich war also wieder zu Hause, es ging mir immer schlechter und ich hatte noch immer keine Ahnung, was mit mir los war. Ich war zu schwach, das Haus zu verlassen, mein Körper war wie voller Blei, schwer und kraftlos.
Ich konnte nichts mehr tun, nur noch herumliegen. Dazu kamen ganz merkwürdige Muskelkontraktionen überall am Körper, die Muskeln machten einfach, was sie wollten ohne, dass ich es steuern konnte.
Ich hatte Durchfall oder Verstopfung, Magen- und Darmkrämpfe. Ich war nicht mehr in der Lage, Auto zu fahren und ich traute mich nicht mehr irgendwohin, aus Angst davor, was mit mir passieren könnte.

Ich ging zu einer Heilpraktikerin. Sie war die erste, die sagte, es könnte an dem Jod liegen.
Ich stieß auf die Internetseiten jodkrank.de www.jodkranke.de und fand mich genau dort wieder.
Ich hatte eine Jodvergiftung. Ich ließ nun das Jod weg und ernährte mich jodarm. Heute weiß ich, dass es ein Fehler war, nicht sofort mit Thyroxin zu beginnen. Ich dachte, Thyroxin ist auch Jod und genau das muss ich meiden.

Ich hatte keinen Menschen, der mir helfen konnte. Die Ärzte ließen mich völlig im Stich und waren nicht bereit mir zu folgen.
Also musste ich allein entscheiden, was gut für mich war. Ich bekam einen neuen Endokrinologen empfohlen, musste aber zwei Monate auf den Termin warten.
Während dieser Zeit war ich ganz allein damit. Ich versuchte, mir alles zu erklären, was in mir vorging, aber es gelang mir nicht. Vieles passte nicht zusammen. Ich weiß heute noch nicht, was genau mit mir los war.

Unter dem Jodentzug stellten sich wieder neue Symptome ein, ich fürchte, ich habe einen großen Fehler gemacht, als ich zwölf Wochen lang gar nichts genommen habe.

Als endlich der große Tag da war und ich meinen Termin hatte, waren meine Erwartungen natürlich zu hoch. Der Arzt sagte, ich sollte wieder Thyroxin nehmen und bestätigte mir wenigstens, dass das Jod offenbar meinem Körper geschadet hatte, der SD allerdings nicht, die sah bei der Sonografie gut aus.
Er erklärte mir, dass mein TSH-Wert mit 3,0 für einen Operierten viel zu hoch sei. Aha. Das hätte man bestimmt schon lange vorher feststellen können.

Ich arbeitete inzwischen wieder. Meine Krankenkasse hatte nach einem Vierteljahr Krankschreibung einfach festgelegt, dass ich aufgrund dervorliegenden Diagnose (Depression und Herzrhythmusstörungen) nun wieder arbeitsfähig sei.
Ich hatte große Mühe und verwendete all meine Kraft darauf, meinen Tag durchzustehen. Ich hatte wieder mehr Kraft, das Jod war wohl raus (nach Aussage des Arztes dauert das 6 Wochen), aber Schwindel, Kopfdröhnen und starke Kreislaufschwankungen machten mir noch immer schwer zu schaffen.
Ich nahm also wieder Thyroxin und wartete auf ein Wunder. Das kam natürlich nicht, jedenfalls nicht so schnell, wie ich hoffte.

Dann stellte sich eine Verschlechterung ein.
Die Schmerzen im Kopf- Und Schulterbereich steigerten sich ins Unerträgliche, dazu wieder Taubheit und Druck sowie Dröhnen und Pulsieren im Kopf. Ich ließ die HWS klären. Ohne Befund. Ich fragte meinen Arzt telefonisch, ob solche Beschwerden von der SD kommen könnten. Das hätte er noch nie gehört.
Nun gut, ich habe einfach für mich festgelegt, dass die Beschwerden von der SD ausgelöst werden, denn alle Syptome treten schließlich in ihrer unmittelbaren Umgebung auf.

Das kann kein Zufall sein. Und die Zeit gibt mir recht.
Jetzt, nach 12 Wochen Thyroxin ist es wesentlich besser geworden. Mir geht es über weite Strecken wieder ziemlich gut und zum erstenmal seit so langer Zeit stellt sich wieder etwas wie Wohlfühlgefühl ein.
Ich spüre, ich lebe wieder. Ich vegetiere nicht mehr nur.
Ich hatte Angst, mein Körper könnte vergessen haben, wie er richtig funktioniert. Weil ich so lange (ein halbes Jahr) in diesem Tal gelebt habe. Ich bin mir jetzt ganz sicher, dass wieder alles in Ordnung kommen wird.

Und nach allem, was ich weiß und von anderen gehört habe, habe ich Glück damit. Ganz genau weiß ich noch immer nicht, was mit mir los war.
Nur soviel: Das Jod hat sich eingelagert und mir hat Thyroxin gefehlt. Ich hätte mir nie vorstellen können, was eine solche Entgleisung für körperliche Konsequenzen haben kann.
Ich habe schon geglaubt, ich hätte einen Tumor, dann wieder hatte es viel Ähnlichkeit mit MS. Ich bin wirklich durch die Hölle gegangen. Aber jetzt gibt es wieder Licht am Ende des Tunnels.
Und für das nächste Jahr habe ich schon wieder Pläne gemacht.

Zurück zur Übersicht Erfahrungsberichte