Kapitel aus dem Buch Leben mit Morbus Basedow
Vorab noch:
Ich kürze bestimmte Begriffe wie folgt ab, damit ich mich nicht völlig doof tippe :-)
Endokrine Orbithopatie = EO
Schilddrüse = SD
Im Rahmen eines Morb. Basedow tritt bei vielen Erkrankten eine besondere Augenkrankheit auf, die endokrine Orbitopathie.
Leichte und schwere Verlaufsformen sind bekannt. Neben den körperlichen Beeinträchtigeungen durch die Symptome der EO müssen sich die Betroffenen oft auch mit einer Veränderung ihres Aussehens und der Reaktion von Mitmenschen auseinandersetzten.
Die EO tritt in nahezu allen Fällen in Verbindung mit einer autoimmunen Schilddrüsenerkrankung auf. Sie kann der Schilddrüsenerkrankung vorausgehen, gleichzeitig auftreten oder - der häufigste Fall - mit zeitlicher Verzögerung ( Monate bis Jahre) folgen. Sehr selten ist das Auftreten einer EO ohne fassbare Schildrüsenerkrankung.
Die EO betrifft meist beide Augen ("beidseitige EO") allerdings oft in unterschiedlich starker Ausprägung.
Auch bei noch normaler Schilddrüsenfunktion kann eine EO auftreten. Häufig folgt dann in zeitlichen Abstand bald auch die Erkrankung der Schilddrüse.
Männer in höherem Lebensalter erkranken seltener aber oft schwerer an EO als Frauen.
Wie viele Basedow-Kranke entwickeln eine EO?
Leider ist das nicht sicher geklärt.
In einigen Untersuchungen werden Angaben von über 85 % gemacht.Die Ausprägung der Symptome kann dabei sehr unterschiedlich sein. Eine leichte EO findet sich bei Morb Basedow fast immer. Eine EO muß aber nicht immer durch hervortretende Augen sichtbar sein.
Auch nach Behandlung der SD-Krankheitkann es bei einem Teil der Erkrankten innerhalb von zwei Jahren zu einer Aktivierung der Augenerkrankung kommen.
Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt sind deshalb alle drei bis sechs Monate notwendig, selbst wenn sonst keine Beschwerden bestehen.
Bei Auftreten von Symptomen kann der Arzt frühzeitig mit einer Behandlung beginnen oder zum Spezialisten überweisen.
Welche Beschwerden können auftreten?
Die meisten Betroffenen empfinden ihre Augenbeschwerden morgens stärker als abends. Auch die Schwellung der Lider ist morgens stärker ausgeprägt als abends.
Es gibt verschiedene medizinische Einteilungen für den Schweregrad der EO. Da unterschiedliche Symptome gleichzeitig vorliegen können, ist eien Einordnung in die jeweilige Kategorie nicht immer eindeutig möglich.
Eine in Deutschland verbreitete Einteilung ist die Beurteilung der Augenerkrankung nach der LEMO-Klassifikation. Sie beschreibt Veränderungen in vier Bereichen.
Je nach Ausprägungsgrad könenn jeder Gruppe (L, E, M, O) Zahlen von 0 bis 4 zugeordnet werden. 0 Steht dabei für fehlende Veränderung, 4 steht für ausgeprägte Veränderung.
Zwei Extreme der EO werden unterschieden: die geschwollenen und verdickten Augenmuskeln und die Schwellung des Fettgewebes.
Die eine Form verursacht eher ein Hervortreten der Augen ( Exopthalmus), die ander Form führt zu einer Schwellung des Gewebes um die Augen herum ( Augenlider). Verschiedene Ausprägungen der EO entstehen je nach überwiegendem Anteil und Kombination dei beiden Formen.
Welche Untersuchungen sollte der Augenarzt durchführen?
Bei einer möglichen Augenbeteiligung solten Sie einen in Diagnostik und Therapie der EO erfahrenen augenarzt aufsuchen.Solche Speziiallisten sind rar und schwer zu finden.
Notwendige Untersuchungen sind die Bestimmung der Lidspaltenweite, die Prüfung des Lidschlusses und die Untersuchung der Lider auf mögliche Lidschwellungen. Das Hervorteten der augen muß ebenfalls untersucht werden.
Der Grad des Hervortretens wird durch eine einfache Messung mit einem Exthalmometer nach Hertel festgestellt. Dabei sind alle Werte oberhalb von 20 mm oder Seitendifferenzen von mehr als 2mm auffällig. Der einzelne Wert ist dabei nicht allein entscheidend.
Wesentlich ist dagegen eine Veränderung der Werte.
Zusätzlich sollte eine Untersuchung der Sehschärfe, des Gesichtfeldes, der Netzhaut und des Sehnerven, des Augeninnendruckesund der Beweglichkeit der Augenmuskeln erfolgen. Eine Untersuchung des Augenhintergrundes soltle ebenfalls durchgeführt werden.
Zu gut deutsch die gesamte Palette die die Standard-Diagnostik des Augenarztes bereit hält - Anmerk. d. Webmasterin
Sinnvoll zur Beurteilung der Krankheitsaktivität der EO ist in bestimmten Situationen die Kernspintomographie. Durch diese Untersuchung kann zusätzlich eine genaue Bestimmung der Augenmuskeldicke und des Binde- und Fettgewebes vorgenommen werden.
Die dabei bestimmte sogenannte T2-Relaxationszeit kann zur Einschätzung der Krankheitsaktivität durch die Kernspinuntersuchung genutzt werden.
Die Ultraschalluntersuchung der Augenmuskulatur durch einen erfahrenen Augenarzt kann ohen Belastung oder Nebenwirkungen für Sie Hinweise auf eine EO und deren Verlauf erbringen.
Welche Ursachen hat die EO?
Antikörper und bestimmte Immunzellen, die gegen SD-Zellen gerichtet sind, finden auch in den Augenhöhlen Ankoppelungsstellen. Sie lösen dort, wie in der Schildrüse, eine Reihe von entzündungsfördernden Prozessen aus, die letzlich das Gewebe schädigen.
Als Folge des Entzündungsprozesses in den Augenhöhlen nehmen Muskeln, Fettgewebe und Bindegewebe an Volumen zu. In der knöchern begrenzten Augenhöhle ist kein Platz für zusätzliches Gewebe, sodass die Augen nach vorne ausweichen müssen.
Durch die Volumenzunahme des Gewebes kann es in seltenen Fällen in der Tiefe der Augenhöhle zu einer mechanischen Beeinträchtigung (Kompression) des Sehnerven kommen. Auch die Augenlider und die dahinter liegenden Tränendrüsen sind in die entzündliche Schwellung miteinbezogen.
Durch die Entzündung entstehen die typischen Beschwerden, wie z.B. Druckgefühl hinter den Augen, Störungen der Augenmuskelbeweglichkeit, Augentränen und Augenbrennen.
Ein wichtiger verschlimmernder Faktor der EO ist das Rauchen. Die ablaufenden Immunprozesse werden durch die beim Rauchen gedrosselte Durchblutung, die verminderte Sauerstoffzufuhr und den behinderten Blutstrom verstärkt.
Rauchen heizt die Bindung von schädlichen Sauerstoffradikalen an, fördert den Entzündungsprozeß, stimuliert die Neubildung von Fettgewebszellen und behindert dadurch alle behandlungsmaßnahmen. Wenn Sie Raucher sind ,sollten Sie alle Möglichkeiten nutzen, sich das Rauchen abzugewöhnen, um der EO den Nährboden zu entziehen.
Medizinische Hintergründe
Die beim Morb. Basedow gebildetetn Antikörper richten sich gegen bestimmte Strukturen auf den Schilddrüsenzellen, die TSH-Rezeptoren.
Diese TSH-Rezeptoren finden sich nicht nur im Sd-gewebe, sondern auch in einigen anderen Stellen im Körper. Zu diesen Stellen gehören das Fettgewebe in den Augenhöhlen, die Haut an der Vorderseite der Unterschenkel, das Gehirn, Muskeln und Knochen.
Alle diese Orte können bei Morb. Basedow von Antikörpern angegriffen werden. Setzen sich Antikörper an die TSH-Rezeptoren im Fettgewebe der Augenhöhle, so können dadurch zahlreiche Reaktionen in Gang gesetzt werden, die letztendlich zu einer Entzündung und Schwellung des Fettgewebes und zur weiteren Bildung von Fettgewebe führen.
Im Frühstadium der Krankheit erkennen T-Lymphozyten Antigene in den Gewebe der Augenhöhlen. Durch Bildung von Antikörpern wird der Immunprozeß eingeleitet. Es konnten bestimmte Zellen im Augenhöhlengewebe indetifiziert werden, die TSH-Rezeptoren an ihrer Oberfläche tragen.
Diese Zellen gehören zu den Vorläuferzellen von Fibroblasten und heißen Prä-Adipozyten.Sie können Bindegewebe oder Fettgewebe bilden. Sie sind das vorrangige Ziel für die T-Zellen und Antikörper.
Die Fibroblasten der Augenhöhle bilden vermehrt flüssigkeitsbindende Moleküle, die sogenannten Glykosaminoglykane. Durch die Entzündung werden diese Substanzen in großen Mengen gebildet, was die Muskelfasern auseinader drängt und in ihrer Funktion beeinträchtigt.
Die Augenmuskeln schwellen an (Ödem). Entzündungszellen wanderen vermehrt in das Binde-, Fett- und Muskelgewebe der Augenhöhle ein. Die ausgelöste Reaktion kann sich durch Bildung von Entzündungsbotenstoffen, so genannten Zytokinen, Interleukinen, Wachstumsfaktoren, Prostaglandinen und anderen Faktoren selbst unterhalten und verstärken.
Die Schwellung dee Gewebes und die mechanische Beeinträchtigung führen zu eienr Raumnot in den Augenhöhlen. Diese Raumnot verstärkt ihrerseits weiter die entzündliche Reaktion, weil der Blutzustrom und der Blutabfluß in den augenhöhlen behindert sind und sich sogenannte freie Radikale bilden, die das Augehhöhlengewebe angreifen und schädigen.
Neben den TSH-Rezeptorantikörpern sind weitere Antikörper gegen Augenmuskelgewebe gefunden worden. Ob diese Antikörper bei der Orbithopathie eine Rolle spielen, ist nicht geklärt. Nach Ergebnissen neuerer Untersuchungen scheinen sie ehere eine Begleitphänomen des komplexen Immungeschehens als die Ursache der Orbitopathie darzustellen.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Über die bestmögliche Therapie bei EO gibt es unterschiedliche Ansichten. Erstes Ziel ist die Beseitigung der SD-Überfunktion. Ob eine vollständige Entfernung der SD die EO günstig beeinflußt oder sogar heilt, ist umstritten. Es gibt Untersuchungen, nach denen durch eine frühzeitig, möglichst vollständige Entfernung der SD bei Basedow Patienten ein Rückgang der Orbitopathie festgestellt werden konnte.
Wird eine Radojodtherapie durchgeführt, so sollte diese nur unter Cortison-Schutz vorgenommen werden, un der Verschlechterung einer EO, oder ihrer Auslösung vorzubeugen.
Bei einer Radiojodbehandlung ohne Cortison-Schutz kann es bei einem kleinen Teil der Patienten zur Aktivitätszunahme der EO führen.
Sie sollten bei der Behandlung darauf achten, daß nach Beseitigung der Überfunktion der SD keinesfalls - auch nicht vorübergehend - eine Unterfunktion auftritt. Durch diese Unterfunktion steigt das TSH. Ein ansteigendes TSH kann den Augenbefund und die damit zusammenhängenden Beschwerden erheblich verschlechtern.
Insgesamt ist der weitere Verlauf einer bestehenden EO schwer vorherzusagen. Die bisher zur Verfügung stehenden Therapien sind bestenfalls teilweise zufriedenstellend. Das Grundprinzip der Behandlung lautet zunächst: engmaschige Befundüberwachung allle 4 -6 Wochen. Sobald sich eine Zunahme der Beschwerden und der Symptome zeigt, sollte eine entzpündungshemmende Behandlung begonnen werden.
Grundsätzlich gilt, daß die Behandlung der aktiven Orbitopathie mit entzündungshemmenden oder das Immunsystem unterdrückenden Medikamenten erfolgt. Die nicht aktive Orbitopathie kann operativ gebessert werden.
Ausnahme: Wenn bei einer aktiven Orbitopathie der Sehnerv beinträchtigt ist, muß häufig rasch eine operative Dekompression ( Druckentlastung - Anmerk. Webmasterin) durchgeführt werden
Cortison
Üblicherweise gilt die Behandlung der EO mit Cortsion als Standardtherapie. Andere das Immunsystem unterdrückende Medikamente haben sich bisher nur im Einzelfall als wirksam erwiesen.
Cortsion sollte nur bei aktiver EO gegeben werden. Cortison kommt bei stark hervortretenden Augen mit entzündlichen Veränderungen der vorderen Augenabschnitte zum Einsatz. Es kann die EO nicht heilen, aber in etwas 50 - 65% der Fälle lindern oder teilweise rückgängig machen.
Die Dosierung erfolgt individuell und nach Schweregrad der Erkrankung. Nach Dosisreduktion oder Absetzen des Cortisons ( Cortison muß immer ausgeschlichen werden und darf niemals aprupt abgesetzt werden - Anmerk. d. Webasterin)teten meist erneut Augenprobleme auf.
Für eine Langzeittherapie mit Cortison werden anfänglich meist zwei Dosen von 1 bis 1,5 mg Prednisolon por kg Körpergewicht über zwei Wochen empfohlen. Anschließend wird eine Reduzierung der Dosis umj 5 bis 10 mg pro Woche bis zu einer individuellen Schwellendosis von etwa 15-20 mg pro Tag durchgeführt, die dann häufig über zwei bis drei Monate beibehalten wird.
Leider führt eine länger dauernde Cortisonbehandlung zu vielfältig bekannten Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Fettansammlung im Gesicht und am Bauch, Knochenbrüchigkeit, Stoffwechselstörungen, Hautveränderungen, Stimmungsschwankungen, hohem Butdruck und anderen unerwünschten Effekten.( Dies gilt aber nur für Patienten die keinen Cortisonmangel haben - Anmerk. d. Webmasterin)
Cortison ist im akutem Stadium der EO häufig nützlich, auf Dauer jedoch keine akzeptable Behandlungsoption.
Bei sehr schwerer aktiver EO oder drohender Schädigung des Sehnervs sind hohe Cortisondosen als Infusion direkt in das Blutsystem notwendig ( 500 -100 mg tägl. / 5 Tage). Eine Schädigung des Sehnervs kommt glücklicherweise selten vor. Zur Durchführeung der hochdosierten intravenösen therapie ist ein stationärer krankenhausaufenthalt ratsam.
Cortsion in höheren Dosen sollte immer mit einem Magenschutzmedikament kombiniert werden, da sonst die Gefahr von Magenschleimhautentzündungen oder Magengeschwühren droht.
Achtung! Manche Magenschutzmedikamente sollen laut Beipackzettel nicht bei Autoimmunerkrankungen eingenommen werden, wie z.b. Omniprazol. Achten Sie bei den verschriebenen Medikament darauf! - Anmerk. d. Webmasterin.
Niedrige Cortisondosen sind mit einer Schwangerschaft vereinbar. Eine Kombination von Cortison mit dem in der Rheumatherapie eingesetzten Medikament Methotrexat ist ebenfalls wirksam.
Die Röntgenbestrahlung des Gewebes hinter dem Auge ( Retrobulbärbestrahlung) wurde in der Vergangenheit oft angewandt. Eine Bestrahlung hat nur im aktiven Stadium der EO Sinn. Durch die Bestrahlung der Augenmuskeln soll eine Hemmung der entzündlichen Muskelveränderungen erreicht werden. Vor Beginn der Bestrahlung muß dazu eine Kernspintomographie der Augenhöhlen veranlasst werden, um den Grad der Orbitopathie festzustellen.
In früheren Veröffentlichungen wurden Erfolgsraten von 50-70 % angegeben. Die Retrobulbärbestrahlung erwies sich allerdings in aktuellen Untersuchungen nur als wenig wirksam. Eine Retrobulbärbestrahlung wird deshalb heute nur noch empfohlen, wenn Doppelbilder neu auftreten oder Augenmuskel-Funktionsstörungen vorliegen.
Während früher üblicherweise über 6-10 Tage mit 2 Gray bestrahlt wurde, zeigte sich in jüngerer Zeit, daß ein Zehntel diese Einzeldosen ebenso wirksam ist. Möglicherweise ist es sinnvoll, niedrig dosiert aber über einen längeren Zeitraum zu bestrahlen.
Durch weitere Studien zu diesem Thema muß künftig die bestwirksamste Strahlendosis gefunden werden.
Die Bestrahlung erfolgt von den Schläfen her. Dabei wird das hinter dem Auge liegende, entzündlich geschwollene Gewebe bestrahlt. Die Strahlenmenge wird auf tägliche kleine Dosen verteilt ( über zwei bis sechs Wochen dauernde Behandlung), um den größten Erfolg zu erzielen.Die Augen selbst werden nicht bestrahlt, sondern zur Schonung bei der Bestrahlung abgedeckt.
Nebenwirkungen der Bestrahlung:
In Folge der Bestrahlung können selten Kopfschmerzen auftreten. Gelegentlich kommt es vorübergehend zu einer verstärkten Schwellung des Gewebes, die sich dann aber zurückbildet.
Entzündungen und Schädigungen der Netzhaut, sind nur nach zu hohen Strahlendosen ( bei über 20 Gray) berichtet worden. Zuckerkranke mit Netzhautveränderungen sollten nicht bestrahlt werden. Auch Menschen, bei denen eine Chemotherapie wegen eines Tumorleidens durchgeführt wird, sollten nicht bestrahlt werden.
nach einer Bestrahlung kann es schwieriger sein, in diesem Bereich zu operieren.
Immunglobuline:
Die Behandlung mich hochdosierten Immunglobulinen hat sich nicht als wirksamer als ander Therapieformen erwiesen und wird heute aufgrund des möglichen Infektionsrisikos und der sehr hohen Behandlungskosten kaum noch angewendet.
Plasmapherese und Immunadsorption
Bei der Plasmapherese handelt es sich um ein aufwendiges Verfahren, bei dem die Antikörper aus dem Blut gefilter werden.
Eine Sonderform der Plasmapherese, die sogenannte Immunadsorption, ist schweren Fällen vorbehalten und wird heute nur noch selten und nur an wenigen spezialisierten Zentren durchgeführt. Die Erfahrung mit der Immunadsoption bei EO sind sehr gering. bBeide Verfahren konnten sich nicht durchsetzten.
Octreotid
Eine neue Behandlung wird zur Zeit unter Studienbedingungen erprobt. Als Medikament wird lang wirksames Octreotid einmal pro Monat als Spritze in die Gesäßmuskulatur gegeben.
Octreotid hemmt die Bindung von Wachstumshormon und IGF-1. Daneben hat es vielfältige Effekte auf den Entzündungsprozeß in den Augenhöhlengeweben. Die Therapie hat, von leichten Veränderungen des Stuhlgangs und Blähungen abgesehen, kaum Nebenwirkungen.
Octreotid ist für die Behandlung der EO außerhalb von Studien noch nicht zugelassen. Die Behandlungskosten sind hoch. Um den erfolg der Octreotidbehandlung einschätzen zu können, müssen die Ergebnisse der Studien abgewartet werden. Auch die kostenübernahme der krankenhassen wird davon abhängen.
Methotrexat
Das auch in der Behandlung von anderen Autoimmunkrankheiten ( entzündliches Gelenkrheuma, Lupus erythematodes) eingesetzte Medikament Methotrexat scheint bei schweren aktiven Formen der EO gute Erfolge zu zeigen.
Methotrexat hemmt unspezifisch das überschießend aktivierte Immunsystem und unterdrückt under anderem die Antikörperproduktion. In hohen Dosierungen wird es zur Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt.
Methotrexat wird zur Behandlung der EO in niedriger Dosierung angewandt und ist in dieser Form kein Krebsmedikament.
Ziel der Behandlung mit Methotrexat ist es, den Entzündungsprozeß zu beenden und Rückfällen nach einer Cortisontherapie vorzubeigen. Auf mögliche Nebenwirkungen muß geachtet werden. Regelmäßige Blutbildkontrollen sowie Kontrollen der Leber- und Nierenwerte sind erforderlich. Alkohol sollte während der Einnahme gemieden werden.
Unter einer Methotrexatbehandlung müssen Schwangerschafzen zuverlässig verhütet werden, da sonst bei einer Schwangerschaft kindliche Fehlbildungen auftreten können. Weitere Untersuchungen müssen abgewartet werden.
Antioxidanzien
Im Rahmen des Immunprozessen werden zahlreiche entzündungsfördernde Botenstoffe freigesetzt, die zur Stimulation und Schwellung des betroffenen Gewebes führen. In den Augenhöhlen kommt es zu Entzündungen, Lidschwellung, Brennen, Druckgefühl, Tränen, Blendungsempfindlichkeit, Hervortreten der Augäpfel, Störung der Augenbeweglichkeit bis hin zu Doppelbildern.
Durch den Entzündungsprozeß wird die Neubildung von Fettzellen angeregt, die dann immer mehr Antigene ( v.a.TSH-Rezeptoren) hervorbringen. So wird einerseits der Immunprozeß verstärkt, andererseits die Platznot in den Augenhöhlen immer schlimmer, weil neue Fettzellen nachdrängen und die Blutversorgung und der Blutstrom sich verschlechtern.
So kommt es zu einér kritisch schlechten Sauerstoffversorgung in den Augenhöhlen, was die Bildung sogenannter freier Sauerstoffradikale anregt. Dies sind hoch reaktive Produkte, die zur Schädigung von Zellmembran, Zellfunktionen und des zellulären Erbgutes führen.
Rauchen verschlimmert die Entzündung und Fettgewebsneubildung in den Augenhöhlen, wobei nicht das Nikotin schädigt, sondern die beim Rauchen freiwerdenden oxidativen Verbindungen, also freie Sauerstoffradikale und andere prooxidative Verbindungen.
Kommt der Entzündungsprozeß ( durch Spontanheilung oder geeingnete Therapiemaßnahmen) nicht rechtzeitig zum Stillstand, resultieren schlimmstenfalls ein weites Hervortreten der Augäpfel, Hornhautverletzungen und Druckschäden am Sehnerven. Später kommt es zu narbigen Umbauprozessen in Binde- und Fettgebe in den Augenhöhlen sowie in den Augenmuskeln, was chronische Funktionseinbuße insbesondere der Augenmuskelbeweglichkeit zur Folge hat.
Ein entscheidendes Behandlungsziel ist deshalb, den Entzündungsprozeß in den Augenhöhlen möglichst frühzeitig, rasch und effektiv zum Stillstand zu bringen, bevor nicht umkehrbare Veränderungen eingetreten sind.
Zahlreiche Forschungsarbeiten und Erkenntnisse der letzetn Jahre zeigen, daß freie Radikale und oxidative Prozesse den Immunprozeß in der SD und in den Augenhöhlen anheizen und für einen wesentlichen Teil der Schädigung in den Augenhöhlen, verantwortlich sind.
Sowohl Experimente an ´Zellkulturen und Tiermodellen, aber auch klinische Untersuchungen am Menschen und bei Patienten mit aktiver EO konnten bereits konkrete Hinweise für die Nutzung dieses Konzeptes liefern. Diese Erkentnisse wurden in eine neue Therapiemöglichkeit umgesetzt, die derzeit in kontrollierten Studien überprüft wird.
Das neue Therapieprinzip wird zur Zeit in mehreren Ländern unter Studienbedingungen erprobt. Es besteht in der hochdosierten Zufuhr verschiedener Antioxidantien, um die Schutzsysteme gegen Radikalschäden möglichst gut aufzubauen und die körpereigenen Verteidigungsmechanismen maximal zu unterstützen.
Zu den wichtigsten antioxidativen Substanzen zählen Vitamine ( C, E, B, Betacarotin), Extrakte aus Traubenschalen und bunten Gemüsen, Selen, Alpha-Liponsäure, N-Acetylcystein, Nicotinamid, Bioflavonoide und Omega -3-Fettsäuren ( Lachsöl).
Durch Kombination dieser zusammenwirkenden, natürlichen Substanzen soll der Entzündungsprozeß abgeschwächt, die Fettgewebsneubildung gehemmt und die gestörte Immunbalance wieder ins Gleichgewicht gebracht werden.
Ein gesicherter Wirksamkeitsnachweis von Antioxidanzien in Form kontrollierter klinischer Studien liegt bislang noch nicht vor. Studien zur Wirksamkeit dieses Therapieprizips werden zur Zeit durchgeführt.
Angesichts der begrenzten Behandlungsalternativen, der geringen Nebenswirkungswahrscheinlichkeit und der problemlosen Vertäglichkeit ist die antioxidative Therapie bei Patienten mit EO, als unterstützende Therapiemaßnahme ein möglicher sinnvoller Behandlungsansatz.
Operation
Nur bei sehr schweren Verläufen der EO ist die Operation im akuten Stadium erforderlich, besonders wenn der Sehnerv beeinträchtigt ist.
Abgesehen von diesen seltenen akuten Verläufen sollten Augenoperationen ansonsten nur in einem nicht mehr aktiven Stadium der EO durchgeführt werden. Bei einer weiterhin aktiven EO ist der Erfolg der Behandlung durch erneute Gewebezunahme in den Augenhöhlen gefährdet.
In seltenen Fällen ist der Sehnerv durch die Schwellung des Gewebes gefährdet. Wenn sich dies nicht rasch unter einer hochdosierten Cortisonbehandlung bessert, muß durch sofortige OP eine Druckentlastung in der Augenhöhle (orbitale Dekompression) vorgenommen werden.
Diese OP kann ebenfalls erforderlich werden, wennd er Lidschluß über den hervortretenden Augen nicht mehr möglich ist und die Hornhaut der Augen von Austrocknung bedroht ist. Operationen dieser Art sollten nur in spezialisierten Zentren durchegführt werden.
Ebenfalls überlegt werden kann eine Dekompression, wenn bei Ihnen in Verbindung mit schweren entzündlichen Veränderungen nicht anders kontollierbare Bewegungsstörungen der Augen auftreten oder wenn ständig Doppelbilder vorhanden sind.
Im Anschluß an die Dekompressionsoperation kann eine Schielop durchgeführt werden. Die genaue Operationsmethode, die Risiken und Heilungserwartungen müssen im Einzelfall immer ausführlich mit den behandelnden Ärzten besprochen werden. Bestimmte Formen der EO erforden bestimmte Operationsverfahren, die im Einzelfall von einem erfahrenem Spezialisten festgelegt werden sollten.
Eine Dekompressionoperation wird im Allgemeinen gut vertragen. Die Augen werden durch die Entlastung zurückverlagert, der Druck in den Augenhöhlen sinkt. Die Langzeitergebnisse sind meist gut.
Grundvoraussetzung für jede Operation sind normale Schildrüsenwerte, eine genaue augenärztliche Untersuchung und gegebenfalls eine aktuelle Kerspin oder Computertomographie der Augenhöhlen.
Vor einer solchen OP müssen Sie gerinnungshemmende Medikamente wie Heparin und Aspirin ( ist in vielen Kopfschmerztabletten enthalten) absetzten. Falls Sie diese Medikamente einnehmen müssen, fragen Sie den behandelnden Arzt.
Die beste Voraussetzung ür die OP sind eine relativ kurze Krankheitsdauer ( weniger als 2 Jahre) und keine vorausgegangene Bestrahlung der Augenhöhle. Aber auch bei langer Krankheitsdauer und bereits durchgeführter Bestrahlung kann oft ein kosmetisch und funktionell gutes Ergebnis erreicht werden.
Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Doppelbilder, Tränenträufeln sowie Druckgefühl hinter dem Auge werden durch die OP häufig gebessert. Der kosmetische Aspekt der Augen kann ebenfalls postiv beeinflußt werden, wobei der Ausgangsbefund entscheidend ist.
Seltene Komplikationen sind Blutungen, die zum Abbruch der Op zwingen können, Herabhängen des Unterlides, Durchtrennung oder Verletzung eines Hautnerven am Oberlid und Entzündungen des Operationsbereiches. Auch das neuauftreten von doppelbildern und eine Schielstellung der Augen sind möglich und leider recht häufig. Hier können operative Nachkorrekturen zu einer Verbesserung führen.
Die OP selbst dauert je nach Methode und Operationsziel por Auge etwa 50 bis 120 Minuten. Die Augen werden zeitversetzt nacheinander operiert. Die Operation wird in Allgemeinnarkose (= Vollnarkose - Anmerk. d. Webmaster) vorgenommen.
Nach der OP sind die Augen zuerst stark geschwollen. Manchmal wird das operierte Augen mit einer Naht zwischen Ober- und Unterlid für einige Tage verschlossen. Fünf Tage nach der OP kann der Patient normalerweise das Krankehaus verlassen. Das endgültige Ergebnis der OP ist erst nach drei bis sechs Monaten zu erwarten.
Es gibt unterschiedliche OP-Verfahren zur Dekompression
Druckentlastung durch Entfernung der inneren Augenhöhle
Bei diesem Op-Verfahren wird mittels mikrochrirurgischer Instrumente durch die Nase ein Teil der an die Nase grenzenden Augenhöhlenwand entfernt. Das vermehrte Gewebe in den Augenhöhlen kann sich dann in Richtung der Nasennebenhöhlen ausdehnen. Damit kann eine durchschnittliche Rückverlagerung der Augen um circa 3 mm erreicht werden.
Die operierten Patienten äußern sich überwiegend zufrieden über das kosmetische Ergebnis. Die Op-Dauer beträgt etwa zwei Stunden. Drei Monate nach der OP sind häufig noch Korrekturoperationen der Augenmuskeln notwendig. Nach Bestrahlung oder langer Vorgeschichte sind die Erfolge der OP gering.
Druckentlastung durch Entfernung der unteren seitlichen Augenhöhlenwand
Bei dieser OP wird eine Öffnung der Augenhöhle zu den Kieferhöhlen geschaffen. Der seitliche untere Teil der Augenhöhle wird dabei zu den Kieferhöhlen hin eröffnet.
Überflüssiges oder geschwollenes Gewebe kann sich dann dorthin ausdehnen, sodaß der Augapfel in der Auhgenhöhle wieder mehr Platz und Bewegungsfreiheit erhält. Durchschnittliche kann eine Rückverlagrung der Augäpfel um circa 4-5 mm erreicht werden. Deutliche Verbesserung der Funktion und des Aussehens der Augen sind möglich.
Druckentlastung der Augenhöhle durch Fettentfernung
Bei diesem Verfahren wird durch einen mikrochirurgischen Eingriff in allgemeinr Narkose überflüssiges Fettgewebe aus den vorderen Regionen der Augenhöhlen entfernt.
Dabei wird ein Schnitt im Bereich der Ober- und Unterlider gemacht, um das Fett im Bereich der Augenlider und um den Augapfel herum zu entfernen. Im Durchschnitt werden etwas 5-7 cm³ Fett entfernt. Der Druck in der Augenhöhle sinkt nach teilweiser Entfernung des Fettgewebes.
Eine früher durchgeführte Bestrahlung verschlechtert manchmal die Ergebnisse der OP. Nachfolgend werden häufig Lidkorrekturen erforderlich. In einzelnen Fällen kann es notwendig sein, den Lidhebermuskel zu schwächen und durch ein Transplantat aus Goretex zu verlängern.
Bei überschüssiger Lidhaut kann ein Teil davon operativ entfernt werden. Die entstehenden Narben sind meist unauffällig.
Die Ergebnisse der OP sind von den anatomischen Gegebenheiten des Betroffenen und der Erfahrung des Operateur abhängig. Der Vorteil gegenüber anderen Dekompressionsoperationen ist, daß die Achse des Augapfels meist nicht verändert wird.
Korrekturoperationen an den Augenlidern
Ist das Augenlid durch die EO zurückgezogen oder ist die Form des Augenlides beeinträchtigt, kann eine korrigierende OP vorgenommen werden. Eine kosmetische Lidverlängerung ist möglich, wenn die EO ins inaktive Statium übergegangen ist und keine Entzündungszeichen mehr vorleigen.
Auch Implantate z.B. mit körpereigenem Gewebematerial oder Goretex können zu einer Verbesserung des kosmetischen Ergebnisses führen.
Bestehen Doppelbilder, so kann eine operative Korrektur der Augenmuskeln vorgenommen werden. Auch eine OP der Augenmuskeln sollte niemals bei aktiver Entzündung erfolgen, sondern erst in einem späteren, inaktiven Krankheitsstadium. Ein erfahrener und möglichst auf EO spezialisierter Augemmuskelchirurg sollte diese OP durchführen.
Verkleinerung der erweiterten Lidspalte (temporale Tarsotraphie)
Diese OP kann zur Verkleinerung einer krankhaften erweiterten Lidspalte vorgenommen werden. Es stehen heute jedoch andere alternative Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, sodaß diese OP nur noch selten durchgeführt wird.
Fettentfernung aus den Augenlidern
Sind die Augenlider störend geschwollen, kann operativ aus Ober- und Unterlidern Fett- und Bindegewebe entfernt werden. Diese Op kann an spezialisierten Zentren mit gutem kosmetischen Ergebnis durchgeführt werden und mit anderen Eingriffen am Auge kombiniert werden.
Auch hier gilt: Die Op sollte erst nach Abklingen der entzündlichen aktivität der EO durchgeführt werden.
Leider stehen dem Betroffenen nur wenige Maßnahmen zur Verfügung, mit denen er die Symptome selbst lindern kann.
Das Wichtigste ist der Verzicht auf Zigaretten. Rauchen verschlechtert die EO und kann sie bei noch nicht betroffenen Basedow-Patienten auslösen. Außerdem behidnert Rauchen den erfolg aller behandlungsmaßnahmen.
Eine streß vermeidende Lebensweise kann ebenso wie eine vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung zur Stabiliesierung der Gesundheit beitragen.
Bei trockenen und brennenden Augen sollten Sie Augentropfen zum Schutz der Hornhaut (Tränenersatzmittel) verwenden. methylcellulosehaltige Augentropfen werden empfohlen. Bei sehr trockenen Augen kann auch ein Augengel nützlich sein.
Tropfen und Gele ohne Konservierungsmittel sind vorzuziehen. Die Konservierungsmittel können sonst langfristi die Augenprobleme verstärken.
Nachts sollte bei fehlendem Lidschluß eine Augensalbe großzügig benutzt werden.
Tabelle konservierungsmittelfreier Augentropfen
Sonstige Hilfen gegen Beschwerden
Durch die EO werden die Augen lichtempfindlicher. Sie sollten getönte Gläser und Sonnenbrillen als notwendige Unterstützung auf Rezept erhalten.
Schützen Sie Ihre Augen vor Wind, damit die angegriffene Hornhaut keinen zusätzlichen schädigenden Reizen ausgesetzt wird. Ähnliches gilt wenn Sie viel an Computerbildschirmen, in Großraumbüros und in Räumen mit viel Elektrosmog arbeiten. Setzten Sie sich solchen Umweltbedingungen möglichst wenig aus.
Bei geschwollenen Augenlidern und hervortretenden Augen kann es für Sie nützlich sein, den Kopf und Oberkörper nachts durch einen Kopfkeil im Bett hochzulagern.. Können Sie das Lid nachts über dem Auge nicht schließen, ist ein großzügiger Einsatz von Augengel oder die Anlage eines speziellen Augenverbandes während des Schlafens erforderlich.
Ob das bei Ihnen notwendig ist, kann Ihr Augenarzt feststellen. Auch eine in Apotheken erhältliche Schlafbrille ist für lichtempfindliche Augen oft wohltuend.
Die Wirkung von progesteronhaltigen Medikamenten kann für die Behandlung der EO genutzt werden. Progesteron wirkt sich günstig auf das gesamte Immungeschehen aus und reduziert die Ödembildung in Augen und Lidern.
Diese Hormon sollte nur Frauen verordnent werden (denn nur bei Frauen kommt diese Hormon von Natur aus vor. Anmerk. d. Webmaster)
Bei sehr trockenen und brennenden Augen kann zudem ein Versuch mit hormonhaltigen Augentropfen unternommen werden.
Kühlende Kompressen lindern Probleme mit äußerlich geschwollenen und entzündeten Augen. Sie sollen in einigen Fällen auch bei Druck hinter dem auge Linderung schaffen.Auch grüner Tee hat eine entzündungshemmende antioxidative Wirkung, die insbesondere bei einer lokalen Anwendung in Form von Augenkompressen zur Entfaltung kommt.
Bei Doppelbildern können Sie vorübergehend sogenannte Prismenfolien einsetzten, die der Augenarzt verschreibt und die die Beschwerden bessern können Bei dauerhaften Doppelbildern sollten Sie allerdings zusammen mit Ihrem augenarzt die Verordnung von Prismengläsern oder einer operativen Korrektur überlegen.
Besonders wichtig ist es für Sie, einen mit Morb. Basedow erfahrenen Augenarzt und Endokrinologen zu suchen und dort in regelmäßiger Kontrolle zu bleiben.
Eine spontane vollständige Rückbildung der EO kommt bei leichteren Formen vor, bei schweren Verläufen ist das aber selten. Die EO ist oft durch einen jahrelangen schubweisen Verlauf gekennzeichnet. Meist geht die Orbitopathie nach einer längeren Ziet ( zwei bis fünf Jahre) in einen inaktiven Zustand über.
Dann kann bei bleibender funktioneller oder kosmetischer Beeinträchtigung eine Op vorgenommen werden.
Resignieren Sie nicht, wenn die Augen Probleme machen und bleiben Sie in engen Kontakt mit Ihrem Augenarzt, Ihrem SD-Spezialisten und anderen Betroffenen. Lassen Sie sich von verletzenden oder unhöflichen Kommentaren Ihrer Umgebung nicht aus der Ruhe bringen.
Sezten Sie sich mit Ihrer Krankenkasse auseinander, wenn diese Ihnen notwendige oder sinnvolle Hilfen vorenthält oder bei der Kostenerstattung bürokratische Hürden aufbaut. Holen Sie sich ärztliche Schützenhilfe bei Ihren Bemühungen ein und legen Sie bei ablehnenden Bescheiden unverzüglich Widerspruch ein.
Niemand sucht sich seine Krankheit aus. Nehmen Sie bei schweren Problemen auch psychotherapeutsiche Hilfen an, um mit der Belastung durch die Krankheit besser umgehen zu können. ( Sie können auch Seelsorge in Anspruch nehmen, da diese sich mit der Thematik Krankheit und Alltag sehr gut auskennen - Anmerk. d. Webmaster)
Versuchen Sie, sich nicht aus Angst vor Ihrer Umwelt zurückzuziehen, sondern suchen Sie gezielt nach Möglichkeiten, am "normalen Leben" teilzunehmen. Gönnnen Sie sich etwas Gutes, so oft Sie es können. Denken Sie daran: Es können langfristig fast immer befriedigende gute Ergebnisse in bezug auf die funktionellen und kosmetischen Beschwerden erreicht werden.
Behandlungstipp
Patienten mit EO sollten möglichst von einem mit dieser Erkrankung gut vertrauten Spezialisten betreut werden. Idealerweise sollten ein Endokrinologe und ein Augenarzt bei Ihrer Behandlung eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten.
Nur wo große Erfahrungen mit der EO besteht, also viele dutzende bis hunderte Patienten betreut werden, kann je nach Erkrankungsvariante die im Einzelfall beste Therapiestrategie gefunden werden.
Ihre Kontrolltermine sollten engmaschig arrangiert werden und mit geringen Wartezeiten verbunden sein. Achten Sie darauf das sie immer von selben Arzt geshen werden, denn nur so ist eine sinnvolle Verlaufsbeurteilung möglich.
wenn sich Ihr behandlender Arzt mit genügend Zeit, Kompetenz und Einfühlungsvermögen um Sie kümmert, sind Sie in guten Händen und haben die besten Vorraussetzungen, auch mit dem schwierigen Problem EO langfristig gut zurechtzukommen.
Erkundigen Sie sich bei anderen Betroffenen und Selbsthilfeorganisationen nach dem aktuellen Stand zu Behandlung der EO. Dort kann man Ihnen auch einen Spezialisten in Ihrer Nähe nennen.
Halten Sie sich stets auf dem laufenden über neue Entwicklungen und Behandlunsmöglichkeiten. Dabei helfen Ihnen auch die neuen Medien. ImInternet finden Sie mittlerweile umfangreiche Informationen zur Morbus Basedow und EO ( www.MorbusBasedow.de)
Das war das Kapitel aus dem Buch, sollten Sie Anregungen haben oder Kritik, so schreiben Sie mich an unter der genannten Adresse auf der Startseite.
Natascha